Re: Traurige Entwicklungen Haad Yao und Thong Na Pan Noi
Verfasst: 28.08.2008, 09:51
Auch ich lebte einmal in einer Tourismushochburg – mitten in Deutschland. Außer Goethe gab es dort nicht viel, nachdem die beiden einzigen Industriebetriebe platt waren.
Mir gingen auch die (vorwiegend japanischen) Touristengruppen auf den Wecker, wenn sie wie zum Almauftrieb vom Goethehaus zum Goethegartenhaus trabten. Aber ich sah die Notwendigkeit ein, da die Touristen die Haupteinnahmequelle der Stadt waren und auch mir persönlich eine gewisse Infrastruktur sicherstellten und Schutz vor dem Verfall der Stadt boten.
Auch ich lebte einmal in einer Holzhütte in Koh Pha-Ngan – am Ende der Welt. Außer Matratze und Moskitonetz gab es dort nicht viel, jedoch konnte ich mit dem Fischer von nebenan abends durchs Riff fahren. Nach einigen Jahren wurden die Holzhütten durch massive Bungalows ersetzt. Anfangs war ich erschrocken und wollte meine alte Idylle wiederhaben; jedoch der Besitzer der Station erklärte mir, dass die Instandhaltungskosten der Holzhütten immens seien und die Einnahmen hierfür nicht reichten. Ich schämte mich meines Egoismus’ und musste auch zugeben, dass die Bungalows sehr geschmackvoll gebaut waren und sich perfekt in die Landschaft einpassten.
Ich verlange nicht, dass es weiterhin den armen Fischer von nebenan gibt, der durchs Riff fährt und mich mitnimmt, damit ich zu Hause etwas zum Erzählen habe. Es gibt ihn nicht mehr und fertig. Aber ich verweigere mich hartnäckig den Plastiktütenwahn (ich kaufe 2 Feuerzeuge, die sind eingeschweißt und die Verkäuferin überreicht mir diese freundlich lächelnd in einer Plastiktüte….aaaaargh!), verstehe aber, dass es einfach „chic“ ist und die Menschen die Folgen nicht erkennen – man lebt für den Moment. Da hilft nur Geduld… Und ich bin nach wie vor Gast in der Station – inzwischen ist es wie Nach-Hause-Kommen.
Ich habe Eure Postings bis hierher verfolgt und gestehe, dass ich zwischen den Pro’s und Contra’s schwankte. In allen steckt ein wenig Wahrheit. Fakt ist, dass es mir weh tut, wenn Natur – egal, wo in der Welt – dem Tourismus geopfert wird. Letztendlich bleiben die Touristen später weg, weil die Natur zerstört wurde – ein Teufelskreis! und zurück bleiben Ruinen. Ich habe aber auch Angst davor, dass paradiesische Gebiete und die Menschen darin zu thailändischen Disneylands degradiert werden, um Touristen eine heile, lächelnde Welt vorzugaukeln, die es in Wirklichkeit nicht mehr gibt.
Mein Traum ist es, dass wir Besucher und Gäste des Landes (so sollten wir uns bezeichnen, um einen Unterschied zu den AI-Touristen zu setzen, die ihr Heimatland in ein Ressort / eine Hotelanlage mitnehmen und das Ausland – oder was sie dafür halten - dort konsumieren) nicht so sehr an unseren sentimentalen VORSTELLUNGEN, wie Thailand zu sein hat, festhalten, sondern VERÄNDERUNGEN akzeptieren lernen.
Denn: Auch unsere Entwicklung in Deutschland – besonders in Bezug auf industriellen Forschritt, unser Umgang mit „Gastarbeitern“ anfangs und „Menschen mit Migrationshintergrund“ neuerdings, Müllentsorgung, Umweltschutz, Bausünden etc. – ist auch nicht gerade als Paradebeispiel zu gebrauchen.
Das ist meine Vorstellung von Toleranz. Und Verständnis für bestimmte Verhaltensweisen kann man nur erlangen, wenn man mit den Menschen dort redet. Wenn wir hier darüber diskutieren, tauschen wir meist nur die Meinungen der sowieso Außenstehenden aus.
*schnauf*
Euch allen noch einen sonnigen Tag.
S.
Mir gingen auch die (vorwiegend japanischen) Touristengruppen auf den Wecker, wenn sie wie zum Almauftrieb vom Goethehaus zum Goethegartenhaus trabten. Aber ich sah die Notwendigkeit ein, da die Touristen die Haupteinnahmequelle der Stadt waren und auch mir persönlich eine gewisse Infrastruktur sicherstellten und Schutz vor dem Verfall der Stadt boten.
Auch ich lebte einmal in einer Holzhütte in Koh Pha-Ngan – am Ende der Welt. Außer Matratze und Moskitonetz gab es dort nicht viel, jedoch konnte ich mit dem Fischer von nebenan abends durchs Riff fahren. Nach einigen Jahren wurden die Holzhütten durch massive Bungalows ersetzt. Anfangs war ich erschrocken und wollte meine alte Idylle wiederhaben; jedoch der Besitzer der Station erklärte mir, dass die Instandhaltungskosten der Holzhütten immens seien und die Einnahmen hierfür nicht reichten. Ich schämte mich meines Egoismus’ und musste auch zugeben, dass die Bungalows sehr geschmackvoll gebaut waren und sich perfekt in die Landschaft einpassten.
Ich verlange nicht, dass es weiterhin den armen Fischer von nebenan gibt, der durchs Riff fährt und mich mitnimmt, damit ich zu Hause etwas zum Erzählen habe. Es gibt ihn nicht mehr und fertig. Aber ich verweigere mich hartnäckig den Plastiktütenwahn (ich kaufe 2 Feuerzeuge, die sind eingeschweißt und die Verkäuferin überreicht mir diese freundlich lächelnd in einer Plastiktüte….aaaaargh!), verstehe aber, dass es einfach „chic“ ist und die Menschen die Folgen nicht erkennen – man lebt für den Moment. Da hilft nur Geduld… Und ich bin nach wie vor Gast in der Station – inzwischen ist es wie Nach-Hause-Kommen.
Ich habe Eure Postings bis hierher verfolgt und gestehe, dass ich zwischen den Pro’s und Contra’s schwankte. In allen steckt ein wenig Wahrheit. Fakt ist, dass es mir weh tut, wenn Natur – egal, wo in der Welt – dem Tourismus geopfert wird. Letztendlich bleiben die Touristen später weg, weil die Natur zerstört wurde – ein Teufelskreis! und zurück bleiben Ruinen. Ich habe aber auch Angst davor, dass paradiesische Gebiete und die Menschen darin zu thailändischen Disneylands degradiert werden, um Touristen eine heile, lächelnde Welt vorzugaukeln, die es in Wirklichkeit nicht mehr gibt.
Mein Traum ist es, dass wir Besucher und Gäste des Landes (so sollten wir uns bezeichnen, um einen Unterschied zu den AI-Touristen zu setzen, die ihr Heimatland in ein Ressort / eine Hotelanlage mitnehmen und das Ausland – oder was sie dafür halten - dort konsumieren) nicht so sehr an unseren sentimentalen VORSTELLUNGEN, wie Thailand zu sein hat, festhalten, sondern VERÄNDERUNGEN akzeptieren lernen.
Denn: Auch unsere Entwicklung in Deutschland – besonders in Bezug auf industriellen Forschritt, unser Umgang mit „Gastarbeitern“ anfangs und „Menschen mit Migrationshintergrund“ neuerdings, Müllentsorgung, Umweltschutz, Bausünden etc. – ist auch nicht gerade als Paradebeispiel zu gebrauchen.
Das ist meine Vorstellung von Toleranz. Und Verständnis für bestimmte Verhaltensweisen kann man nur erlangen, wenn man mit den Menschen dort redet. Wenn wir hier darüber diskutieren, tauschen wir meist nur die Meinungen der sowieso Außenstehenden aus.
*schnauf*
Euch allen noch einen sonnigen Tag.
S.