KAPITEL II
Koh Phayam – Immer noch ein Geheimtip?
Wie eine Fahrt ins Ungewisse sassen wir auf dem schaukelnden Boot zusammen mit Dutzenden anderer Backpacker, einige mit dem Ziel Koh Chang (die kleine), von der wir nur gehört haben, dass da wirklich noch Abgeschiedenheit zu finden sein soll. Aber so ganz ruhig wollten wir es ja nun auch nicht

, sondern hofften eher auf eine chillige community irgendwo an einem schönen Strand auf der in den Reiseführern als „Geheimtip“ bezeichneten Nachbarinsel Koh Phayam.
Wie viele diesem „Geheimtip“ hinterher waren, konnten wir beim Anlegen schon erahnen

Die gesamte Armada der motobike-Taxis schien nur auf uns gewartet zu haben, von überall her kamen die Angebote, die Neuankömmlinge zu ihren Domizilen zu transportieren. Nur hatten wir ja noch gar keins! Also erst mal einen Überblick verschaffen auf der großen Inselkarte am Pier. Im Vorfeld haben wir den Buffalo-Beach im Nordwesten als für uns wohl geeignetsten Ort ausdiskutiert, aber welches Resort? Die praktikabelste Lösung schien uns zu sein, uns einfach mittig bei „My Bungalow“ hinfahren zu lassen und dann jeweils links und rechts was passendes zu suchen. Transport mit Moped

kannten wir ja nun schon, daher waren wir schon lockerer und 60 ThB/Tour schien uns auch angemessen zu sein.
Tja, das „My Bungalow“ entpuppte sich als verlassen oder im Umbau befindlich, diente aber hervorragend als Zwischenlagerstätte unseres Gepäcks, sodass wir die verbleibende Stunde Helligkeit noch lastenbefreit ausnutzen konnten. Hat auch gar nicht lange gedauert, da das „Banana Resort“ (ich muss immer noch lächeln, wer sich da alles Resort nennt. Ein Laden mit mehr als 3 Hütten ist also gleich ein „Resort“, aha!) uns die letzte freie Hütte anbot. Auschlaggebend war nicht unbedingt der Preis (350 ThB/Nacht), sondern die überaus sympathische Betreiberin mit fliessendem Englisch, welches sie sich bei ihrem längeren Aufenthalt in London angeeignet hätte, wie sie uns erzählte. Überhaupt war das alles sehr chillig hier und die Hütte entsprach genau unserer Vorstellung. Hurra endlich irgenwo angekommen, nach der ganzen Strapaze seit wir Bangkok verlassen hatten!
Gleich nach kurzer oberflächigen Einrichtung in der Hütte, sollte es nun ein erstes Bad im warmen Ozean geben und schwups hinein in die Fluten..
Doch, was war das? Ein ständiges, kaum merkbares Pieksen und Kribbeln bei den ersten Schwimmzügen war zu spüren. Nicht weiter wild, aber doch merkwürdig. Das Wasser war voller Plankton und anscheinend auch Brutstätte winzig kleiner Quallen, die die kleinen Nadelstiche offenbar verursachten. Hmmhh..? Sind die giftig? Macht das was auf Dauer?
Egal, wir nahmen es erst mal so hin und widmeten uns der Menukarte des Restaurants. Ein kühles Dosenbier leitete den Abend ein und wir, vor allem Ari fand etwas ohne Fisch, Fleisch, Ei, etc., schließlich ist sie ja Veganerin.
Ich wachte sehr früh am Morgen auf und genoss die Ruhe und das Farbspiel der aufgehenden Sonne über dem Dschungel und dem Meer. Das leise Murmeln der seichten Wellen (Es war grad Ebbe, wie ich sehen konnte und mir war gar nicht bewusst, dass es auch hier natürlich Ebbe und Flut gibt) lullte ich mich ein, nur der Kaffee fehlte. Das Restaurant öffnete erst um 09.00 Uhr und mir fiel ein, dass wir ja gut ausgerüstet waren. So hatte ich mein Camping-Kochset (nicht schwer aber voluminös) ja mit auf die Reise genommen (ich seh grad wieder die ganzen Lacher bei Euch..) und ich beschloss für den nächstem Morgen vorbereitet zu sein.
Ein erster Erkundungsspaziergang

mit kleinen Einkauf machte uns hungrig und wir probierten ein benachbartes Restaurant mit quasi dem gleichen Angebot wie tags zuvor. Und ein weiteres Bad am Nachmittag (was geht hier der Tag schnell vorüber..) bestätigte das Vorhandensein kleiner Untiere im Wasser, was nun als ungefährlich und eher kreislauffördernde Begleiterscheinung eingestuft wurde. Das „free WiFi“ (die allgegenwärtig angebotene via w-lan zur Verfügung gestellte Verbindung zur Aussenwelt) funktionierte und ein kurzer Statusbericht beruhigte die Daheimgebliebenen, bzw. steigerten wir ohne Häme deren Neidfaktor).
Nun machte sich endlich auch mal die Muße breit und wir lagen faul bis zum Abend in der Hütte, auch war es recht warm, um nicht zu sagen, es war heiss! Auf einmal schreckten wir auf, da sich ein schrilles und sehr lautes Pfeifen (wie eine ausgelöste Alarmanlage) über das gesamte Areal ausbreitete. Was ist das denn? Unsere Herbergsmutter beruhigte uns mit einem Lächeln, dass dies das allabendliche Konzert der Grillen wäre, die pünktlich beim Einsetzen der Dunkelheit loszirpten. In der Qualität und Lautstärke hatten wir so etwas noch nie gehört. Sie stimmten sich kurz auf eine gleiche Frequenz ein und erfüllten etwa 20 Minuten lang die Umgebung mit diesem einen Ton. Was ein Hörspiel!
Ein nie bis dahin erlebtes Schauspiel bot sich uns dann bei Dunkelheit: Das phosphorizierende Plankton erzeugte bei jeglicher Bewegung kleine Lichtpunkte, eine richtige Lightshow bei Schwimmen!
Alles war für den morgendlichen Kaffee gerichtet, der kleine Kessel gefüllt mit Trinkwasser, das Kaffeepulver bereit und genügend Holz am Strand gesammelt. Schon bald knisterte das kleine Feuer und die paar Leute, die ebenfalls früh unterwegs waren, nickten dem romantischten Szenario wohlwollend zu. Der Kaffee schmeckte ausgezeichnet, schon wegen der stimmungsvollen Zubereitung.
Koh Phayam schien laut Karte einige sehenswerte Orte zu haben, die zu Fuss aber doch zu weit weg waren. Mopeds zu mieten trauten wir uns (noch) nicht, warum also nicht Fahrräder? Die gab es nämlich am Pier, was allerdings wieder einen längeren Spaziergang erforderte. Doch werden wir das nächste Mal wohl etwas genauer hinsehen und eine Probefahrt machen müssen. Zwar optisch einwandfrei, aber kaum wirklich geländetauglich, so ratterte das Tretlager bei jeder Steigung öfter durch

Und Steigungen gab es reichlich. Na ja, irgendwie ging es dann doch und wir konnten fast die ganze Insel kennenlernen.
Ein Vorfall am Abend beschäftigte uns die folgenden Tage. In der benachbarten Hippie-Bar, ein aus Strandgut gezimmertes Schiff, bot ein Rastaman -zwar stilfremd für Asien- groovigen Reggae

und coole drinks an. Ein paar andere Landsleute waren uns bereits diverse Gläser voraus

und fingen an, karnevalsähnliche Lieder anzustimmen und dreckige Witze zu erzählen, was wirklich ätzend war. Nicht genug, wollten sie nach mehrfacher Aufforderung einen restlichen Betrag der Zeche nicht zahlen, da sie der Meinung waren, dies schon zur Genüge getan zu haben. In diesem Moment gabs einen Stromausfall und die Party war vorbei. Der Rastaman wurde deutlicher und die 2 Paare solidarisierten sich noch mehr

und beschimpften den Betreiber

, der nun auch den Laden schliessen wollte. Wir machten uns angesichts der steigenden Aggressivität aus dem Staub und hörten dann aus der Ferne, dass es wohl zu handfesteren Auseinandersetzungen gekommen sein muss
Am nächsten Morgen erfuhren wir, was geschehen war und begegneten auch noch den beiden Paaren, die sich immer noch schimpfend im Recht fühlten. Es hat eine Schlägerei gegeben und die Polizei war auch noch da. Verlierer waren alle, die Hippie-Bar hatte für mindestens ein paar Tage einen schlechten Ruf, die 4 Uneinsichtigen mehr als einen miesen Abend und wir einen faden Beigeschmack, was manche Landsleute so im Ausland darstellen.
Die ersehnte Community wollte sich nicht zusammenfinden, daher beschlossen wir die baldige Weiterreise. Unser vorhandenes Bargeld ging auch zur Neige, da es ja keinen ATM gab. Die restlichen Euro konnten wir am Pier, wo wir die Räder wieder abgaben zu einem passablen Kurs tauschen und über die Kreditkarte einen Vorabruf tätigen. Die Klamotten packten wir mit etwas Wehmut, da es wieder ins Ungewisse ging und uns die traumhaften Sonnenunter- und aufgänge so gefallen haben. Auch kam uns die stressige Hinfahrt in den Sinn, wir hofften auf angenehmere Transporte.
Ziel war der Golf von Thailand, entweder nach Chumpon, wo es am dortigen Stadtstrand „Thung Wua Laen Beach“ noch einen couchsurfer gab, der uns evtl. beherbergen konnte oder gleich auf die Insel Koh Phangan, bzw. Koh Tao.