mein Reisebericht von 2011 kam ja ganz gut an, deswegen würde ich gern auch von unserer Reise letztes Jahr berichten. Ich weiß, ist schon etwas her, aber ich hoffe er gefällt trotzdem...
Dieses Mal gibt es allerdings ein paar Einschränkungen, einige Passagen werden nicht so viele Bilder enthalten, da wir mit Freunden unterwegs waren und ich gern deren Privatsphäre waren würde. Ich bitte hier um Nachsicht. Einige Passagen enthalten auch sehr persönliche Einblicke (schließlich entsteht so ein Bericht ja nicht vordergründig fürs Forum), die natürlich gekürzt sind. Es kann also sein, dass zwischen drin ab und zu quasi der Erzählfaden abreist. Auch dieses Mal gilt: Ich bin kein Schriftsteller, der kurz vor der Verleihung eines Pulitzer-Preises steht, einen literarischen Erguss dürft ihr daher nicht erwarten.
Ich wünsche trotzdem viel Spaß:
Anreise (Tag 1)
Schon vormittags holte ich den Dienstwagen von der Firma ab, dieses Mal einen netten Audi A4. Zügig wurden alle Sachen zusammengerafft und in meiner Reisetasche verstaut, die am Ende ca. 23 Kilo wog. Was normalerweise kein Problem ist könnte sich auf den Inlandsflügen allerdings noch als problematisch herausstellen, da die Billigairlines ja wegen jeden Gramm zu viel gern mal ein Fass aufmachen. Wir werden sehen. Norma musste noch vor meiner Abfahrt auf Arbeit und wir verabschiedeten uns für die nächsten 2,5 Wochen. Viel Zeit hatte ich selbst aber auch nicht mehr, es musste ja doch einiges an Zeit für den Weg nach München eingeplant werden. Das Auto war schnell beladen, die letzte Kleinigkeit eingekauft und die Fahrt begann.
Nach zirka zweieinhalb Stunden erreichte ich den Flughafen ohne weitere Zwischenfälle, allerdings vergaß ich bei all der Anspannung, die mich doch die letzten Tage etwas im
Griff hatte, glatt zu tanken. Man wird sehen was das wieder kostet.
Die Planungen bis hierhin waren nahezu perfekt, ich hatte noch etwas Zeit um ein wenig umherzuschlendern, aber nicht mehr so viel dass es mir langweilig hätte werden können. Das Einsteigen verlief reibungslos und wir starteten pünktlich Richtung Bangkok. Wie erwartet konnte ich von ein paar Dämmerphasen im Flugzeug nicht schlafen (auch wegen der beengten Platzverhältnisse) und vergnügte mich daher mit dem Inflight Entertainment. Bei drei Filmen vergingen von den 10 Stunden Flug schon sechs relativ schnell. Insgesamt hatte ich es mir schlimmer vorgestellt, trotzdem erreichte ich Bangkok ziemlich gerädert. Zuerst stellte ich mich an einem falschen Gepäckband an, was mir aber erst nach einer ganzen Weile auffiel. Ich kam ja gar nicht aus Frankfurt, sondern aus München... Als ich dann das richtige gefunden hatte ging alles sehr schnell, meine Tasche geschnappt und per Taxi zum Novotel. Die hatten sogar ein Zimmer für mich, auf das ich allerdings noch ein paar Minuten warten musste. Ich nutzte die Zeit um den Versuch zu starten mir eine Simkarte zu besorgen, scheiterte aber kläglich aus Ermangelung eines 7Eleven (wäre ich in die andere Richtung gelaufen hätte ich sofort einen gefunden). So bezog ich mein Zimmer, und ratzte sofort für eine Stunde weg.
Irgendwann packte mich aber doch die Unternehmungslust, ich legte wettergerechte Kleidung an und verbrachte den Abend in der Khao San Road wo ich im Green House
verweilte und sofort von einigen netten Menschen angesprochen wurde. Es entstanden ein paar interessante Gespräche, allerdings hatte ich den meisten sehr viel Thailanderfahrung voraus und konnte daher hier und da auch mit etwas Insiderwissen glänzen.
Die Tage der Arbeit
Da ich ungern die zwei Wochen in allen Details beschreiben möchte, schließlich ist es nicht besonders spannend von Skytrainfahrten und Bürozeiten zu berichten, werde ich hier einfach in lockerer Art und Weise die Dinge beschreiben, die mir nebenher so passiert sind.
Gleich am ersten Abend in der Khao San Road wurde ich von gleich zwei Mal von verschiedenen Leuten angesprochen, was ich denn hier so mache usw. Dabei saß ich doch einfach nur so in der Bar und habe das Leben genossen. Schon cool, wie schnell man hier in Kontakt mit anderen Leuten kommt und wie offen alle sind. Zuerst war da das Pärchen, er etwas abgerissen aber sie eine Bombe, blond, groß und ne Wahnsinnsfigur. Die beiden kamen aus Holland und wir hatten eine sehr nette Unterhaltung. Der Inhalt drehte sich wie üblich um das Reisen in Thailand, klar, deswegen sind ja alle da. Das zweite Mal sprach mich eine etwas ältere blonde Frau aus Alaska an, die neben mir Platz genommen hatte. Wir unterhielten uns auch sehr angeregt, ich weiß noch, dass sie Bangkok am nächsten Tag verlassen wollte, und dass sie Whisky getrunken hat. Der erste Abend machte auf jeden Fall Lust auf mehr, ich habe es sehr genossen wieder mal in der Khao San Road zu sitzen. Einfach abchillen.
Eigentlich kehrte dann fast schon etwas Alltag ein, ich stand Frühs auf, erledigte einige
Dinge,für die ich Internet benötigte und fuhr dann ins Büro zu Thai. Am zweiten Tag probierte ich die Skytrain für den Hinweg aus, was bis zum Flughafen auch gut funktionierte. Ich stellte mich brav an die Bushaltestelle für den kostenlosen "Mitarbeiter-Verteilungsbus" und bestieg ihn frohen Mutes. Das Gebäude, zu dem ich musste konnte man von der Bushaltestelle sehen, der Bus fuhr aber eine halbe Stunde in eine komplett andere Richtung. Ich musste dann noch einmal umsteigen um tatsächlich dorthin zu gelangen wo ich hinwollte. Gesamtzeit der Aktion: ca. eine Stunde. Zu Fuß wären es vielleicht 10 Minuten gewesen...
Abends dann per Skytrain ins Hotel (diese Richtung funktionierte hervorragend), kurz umgezogen und dann raus auf die Straße um etwas zu essen. Auf diese Weise kam ich zum einen zu dem Vergnügen das leckere Chili in der Sanzibar essen zu dürfen, zum anderen fand ich am dritten oder vierten Abend die Bamboo Bar in der Sukhumvit. Spontan erklärte ich diese Bar zu meiner Stammbar, und so kehrte ich Laufe der zwei Wochen bestimmt
sechs oder sieben Mal dort ein. Zwar ist die Atmosphäre hier in der Sukhumvit nicht so chillig wie in der Khao San, aber es ist auch komplett Rotlichtfrei, zudem zu Fuß zu erreichen und es nerven keine Froschfrauen. Das Essen hat mir immer sehr gut geschmeckt und einige flüchtige Bekannte traf ich auch hier. Den Australier zum Beispiel, der nur ein paar Monate im Jahr als Mechaniker unter Tage arbeitet und sich mit den Angestellten der Bar hemmungslos betrunken hat um dann mit dem schwulen Kellner Richtung Soi Cowboy aufzubrechen. Ein extrem lustiger und offener Mensch, ich hätte gern erfahren wie es ihm an diesem Abend noch ergangen ist. Ein anderes Mal torkelten zwei Farrangs und ein blondes Mädel (sie torkelte kaum) vorbei und nahmen ebenfalls in der Bar Platz. Die Jungs blieben allerdings nicht lange, denn die waren derart fertig, dass das Mädel (die Schwester einer der Jungs) sie umgehend in ein Taxi setzte. Sie blieb allerdings noch auf ein paar Drinks und wir unterhielten uns nett. Sie kam aus Neuseeland, wohnte aber derzeit in Hanoi, was sie dort machte konnte ich aber nicht herausfinden. Ich glaube sie lebte vom ersparten aus ihrem Job als Kinderpsychologin.
Zwischendrin hatte irgendeine ehemalige Königin Geburtstag, was bedeutete, dass in es in Thailand einen Feiertag gab. Ich hatte also frei (ich musste zumindest nicht in Büro) und konnte nach der Erledigung von ein paar Sachen den Rest des Tages frei machen. Ich nutzte dies um einfach mal in eine Richtung loszulaufen, als grobes Ziel
hatte ich mir den Golden Mount auserkoren. Diese Wanderung wird mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben, nicht weil sie sonderlich spektakuläre Dinge offenbarte, sondern weil ich mit offenem Auge alles in mich aufsaugen konnte, ohne die Hektik durch das Fenster eines fahrenden Autos. Klar, mag der ein oder andere sagen, ist halt ne Stadt. Aber ich finde, Bangkok versprüht an jeder Ecke einen ganz anderen Charme. Hier konnte man handgeschnitzte Holztüren kaufen, dort den Gasbrenner für die Garküche. Mittendrin zweigten sich dann immer mal wieder kleine Straßen oder Klongs ab, in denen die Häuser zwar grau aussahen, aber die Straße selbst mit unglaublich viel Grün drapiert wurde. Es wirkte manchmal als hätten die Bewohner einfach ihre alten Zimmerpflanzen auf die Straße gestellt und dort wachsen die nun einfach weiter. Unterwegs gab es eine Waffel mit Mais, die echt lecker schmeckte, natürlich nicht ohne die Diskussion mit einem TukTuk Fahrer, dass der Golden Mount ja heute zu hätte... Nicht noch einmal mit mir. Leider besuchten außer mir noch einige andere Leute den
Golden Mount, es kam also keine so richtig schöne Stimmung auf. Dafür setzte ich mich unten einfach für ein paar Minuten in den angrenzenden Tempel, der unverständlicherweise von niemandem besucht wird. Hier umfing mich eine unglaubliche Ruhe, es hörte sich an, als ob der Lärm der Stadt kilometerweit weg sei. Nur ein paar Mönche, die in einer Ecke gerade aßen, ansonsten "störte" niemand diese Ruhe. Ich wünschte
ich hätte öfters Zeit für solche Momente der inneren Einkehr.
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