Mein erster Tag des neuen Jahres im Hotel Kaday Aung fängt nicht besonders gut an. Richtig gut geht es mir immer noch nicht. Die nette Rezeptionistin lässt mir zum Frühstück grünen Tee mit honey und lime bringen, dazu Toast. Das bleibt drin und an den Tee halte ich mich auch die nächsten Tage. Die Mahlzeiten werden hier auf einer grossen Terasse unter einem alten sehr grossen Baum eingenommen. Heute will ich es langsam angehen lassen,keine Pagoden, denn ich fürchte dass mich ein dringendes Bedürfniss inmitten der Pagoden überfällt - und was dann??? Ich miete mir nur ein Horsecart um nach Nyaung U zu fahren - und das dauert schon eine Stunde. Dort findet gerde ein grosser Markt statt und es bietet sich das typische bunte Kaleidoskop an Eindrücken. Überall wandelnde Säcke auf Frauenköpfen. Warum machen die Männer das eigentlich nicht ??? Wird das als typisch weiblich angesehen??? Auf einfachsten Bollerkarren werden Waren hin und hergefahren, manchmal auch Kinder b

. Es liegt wieder alles auf dem Boden und über allem schweben die abenteuerlichsten Sonnensegel. Ebenso abenteuerlich sind viele Kopfbedeckungen, gebunden, gefaltet oder sonstwie drapiert aus bunten Tüchern , Jacken oder was auch immer. Eine alte Frau gekleidet in eine gelbe Jacke und ein buntes Tuch, weisse dünne Haare zu einem kleinen Knoten am Hinterkopf gebunden, mit dezenten goldenen Ohrringen, das feine Gesicht vom Leben gezeichnet. Man sieht ihr immer noch an, dass sie einst schön gewesen sein muss. Das unvermeidliche Thanaka Holz des Nordens findet sich überall. Und auch hier, auf dem Markt, eine "Telefonzentrale". Diesmal bedient von einem kleinen Jungen, die Eltern haben daneben ihren Marktstand. Ich frage mich, woher kommt wohl der Telefonanschluss......das Kabel muss ja seeeehr lang sein

. Sammeltaxis fahren ab, innen voll mit Menschen und Taschen, obendrauf nochmal mindestens drei Schichten Säcke oder Ballen mit Zeugs !!! In den Seitenstrassen wieder das übliche. Quietschbunte Durcheinanderlädchen, nur die Reisläden und die Eierbuden sind hübsch sauber aufgeräumt. Es macht Spass die Augen wandern zu lassen, so anders , so fern von unserer organisierten Konsumgesellschaft. Herrlich frei !!! Die Strassen in und um Bagan sind sehr aufgeräumt und es gibt Schilder auf denen steht "Plasticbag free Area" , das gefällt mir. Alles ist sooo grün und friedvoll. Mein Weg führt mich zur Win Family, etwas ausserhalb Alt Bagans . Dort verkauft die Familie filigrane Handtaschen aus eigener Herstellung, aus Bambus, Rattan oder Wasserhyazinthen , hübsch eingefärbt und aussergewöhnlich. Meine Tochter wird damit beglückt. Nun muss ich zurück ins Hotel, denn meine Bauchschmerzen werden schlimmer. Die Pferde der horsecarts haben unter dem Po einen Stoffsack hängen, in den die Pferdäppel fallen, so werden die Strassen nicht verschmutzt ! ALLERDINGS wird das alles ausgeschüttet, sobald man einen der unzähligen Sandwege befährt. Dort trocknen die Äppel dann in der Sonne und werden von den Pferden und Autos zermahlen, vermischen sich mit der roten Erde. Und genau das fliegt immer in der Luft rum, die mich täglich von oben bis unten pudert. Ausserdem riecht man es auch......so einen Eigengeruch hatte ich noch nie

. Es sitzt in den Haaren, auf der Haut und in den Klamotten, und die kann man ja wirklich nicht jeden Tag waschen !
Den Rest des Nachmittages bleibe ich auf der Terasse am Pool. Habe schreckliche Bauchschmerzen. Die Hotelanlage ist sehr schön, auf alt gemacht, verwinkelt, Ziegelsteine, Strohdächer, ein toller Pool mit Liegen und Ruhebetten. Leider habe ich nur noch ein Standard Zimmer bekommen. Das ist nicht so schön,sehr einfaches Bad, keine Betten, Matraze etwas erhöht auf dem Boden, kein Kleiderschrank, der Boden mit Bastmatten bedeckt, kein TV. Die Superior Zimmer, die nur ein paar Dollar mehr kosten, sind dagegen wunderbar. Teakholzboden, tolles modernes Bad, gemütliche Betten, hübsche Einrichtung, TV. Na ja, Pech gehabt ! Jedenfalls mache ich mit meinem horsecartfahrer den morgigen Tag fest, es geht endlich zu den Pagodenfeldern.
Spät am Abend zieht eine burmesische Pilgerfamilie in das Zimmer über mir. Der Boden, bezw die Decke besteht nur aus einfachen Holzplanken, die nicht so wirklich dicht liegen. Ich frage mich, wieviele Personen dort oben wohnen, mindestens fünf oder sechs. Nach Einbruch der Dunkelheit halten die sich alle im Zimmer auf und ich darf , wenn auch nur passiv und ungewollt, am Familienleben teilnehmen

. Mama plappert und packt ununterbrochen Dinge ein und aus (ich höre das rascheln..), die Kinder spielen mit einem ferngesteuerten Auto und kreischen, die Männer erzählen auch interessante Sachen, die ich leider nicht verstehe und rotzen ununterbrochen mit einer unglaublichen Inbrunst den Rotz des vergangenen Tages aus der siebten Sole nach oben und spucken ihn......will garnicht wissen, wohin

. Von den Badezimmergeschichten will ich garnicht erst anfangen...

! Das geht nun jede Nacht so bis ca 01.00 Uhr, und um 05.00 Uhr sind die schon wieder putzmunter. ICH AUCH

!!! Na, bis jetzt hab ich in Burma noch nicht gut geschlafen.....

Dabei war ich sooo froh, den frühen Foltergesängen in Mandalay entkommen zu sein.
Es ist frühmorgens, 07.30 und ich darf nun das Frühstück auf der hübschen Terasse geniessen. Mein Horsecart ist ganz mit pinkfarbenen Kissen ausgekleidet und verspricht eine gewisse Bequemlichkeit, auf die sich mein Popo schon sehr freut. Noch schnell ein bissel Dreckwäsche an der Rezeption abgeben, dort treffe ich eine schon sehr alte kleine Dänin, mit sandfarbenem Haar, ebensolcher Haut und Kleidung. Wir geraten in eins der unverhofften Gespräche, die sich mir auf meiner Reise so oft bieten. Sie reist schon seit zwölf Jahren alleine, das erste Jahr 12 Monate lang, seitdem immer sechs Monate und sechs nicht. Sie war schon fast in der ganzen Welt. Nun ist sie in Burma, dann Laos, Kambodscha, Thailand und Brunei. Mamma Mia !!!! Was für eine Energie und Reiselust !! (Natürlich benötigt man dazu auch ein gewisses "Kleingeld".....

)
Meine Liste für die heutige Tempeltour beinhaltet folgende Pagoden : Shwezigon, Kyanzittha Umin, Gubyaukgy Wetky In, Ananda, Ananda Ok Kyaung, Gubyaugky Mynikaba, Nanpaya, Manuha, Sulamani, Dhammayangyi, Shwesandaw. Die letztere wird fúr den Sonnenuntergang aufgespart.
Ich tauche in eine fast schon unwirkliche Landschaft ein....es stehen einfach überall Pagoden rum, hunderte oder tausende. Die meisten aus Ziegelstein mit schönen Verzierungen oder einfach verfallen. Innen warten oft Überraschungen , Kunstwerke, Buddhas, Wandmalereien. Leider werden gerade die Malereien nicht erhalten, verblassen oder fallen mit dem Putz von der Wand. Auch hier gilt - Schuhe ausziehen. Am Ende des Tages sehen meine Füsse aus, wie die Hufe des braven Pferdes

! Aber es gibt auch Pagoden mit goldenen Htis und Stupas. Mir drängt sich wieder die Frage auf, wie es hier vor vielen hunderten Jahren war, all diese Sakralbauten, in aller Pracht, mit Menschen, Musik, Glocken und Leben gefüllt........das muss einfach unvorstellbar gewesen sein. All diese zierlichen Relieffs, Gesichter und kunstvollen Fenster und Türdekorationen. Heute, an meinem ersten Tag kann ich mich garnicht satt sehen an all den Schönheiten, welche Geschichten zu erzählen scheinen. Aber bevor ich allzusehr ins Träumen gerate geht es weiter . Immer, wenn ich etewas erhöht stehe und über die Ebene schaue.....so viele Pagoden, ehrwürdig im Sonnenlichtbeinahe schwebend in der Landschaft, unendlich weit und im Hintergrund der Ayayawaddy. Immerhin ist das gesamte Areal ca 40 Quadratkilometer gross !!!
Immer wieder werden wir in roten Wolken gepudert und ich weiss mittlerweile schon nicht mehr ob ich wirklich braun bin oder einfach den Dreck nicht mehr abbekomme

. An allen grösseren Pagoden sitzen Männer die Malereien verkaufen. Das ist natürlich sehr gemein

, denn ich fühle mich genötigt, noch so manche zu kaufen, kann einfach nicht widerstehen !
Immer wieder begegnen mir Busse mit einheimischen Pilgern. Die reichen reisen in neuen AC Bussen, man erkennt sie sogleich, die ärmeren dagegen in Klapperkisten wo man Angst hat, dass sie in der nächsten Kurve zumindestens ein Rad verlieren. Obendrauf natürlich Kisten und Kasten......
Kurz vor Sonnenuntergang fahren wir zur Shwesandaw Pagode, die im Loose für den Sonnenuntergang angepriesen wird. Na, wohl nicht nur im Loose.......
Die Pagode ist sehr hoch und ich klettere bis zur obersten, fünften "Etage" über die steilen Treppen hoch. Ein jeder sichert sich hier einen guten Platz zum fotografieren und die Pagode füllt sich in kurzer Zeit so sehr mit Menschen, dass man sich fragt ob sie standhält

. Meiner Schätzung nach waren es ca 500 !!! Personen, man konnte sich buchstäblich nicht mehr bewegen. Mit einem romantischen Sunset hatte das nix mehr zu tun. Ich hab einfach verucht, die alle auszublenden und habe mich auf das wunderbare unglaubliche Schauspiel vor meinen Augen zu konzentriert. Die Pagoden schienen zu glühen, der Himmel wechselte seine Farbe zwischen gelb, orange, rot und flieder. Im Dunst einer Feuerstelle wurde die Farbe milchig, die Pagoden schienen zu schweben. Mit Worten ist es einfach nicht zu beschreiben, schaut euch die Fotos an. Wieder unten, wartet der horsecartfahrer und denkt bestimmt schon an das Abendessen

. Nach unglaublichen elf Stunden unterwegs mit dem Pferdekarren tut mir nun jeder Knochen und Muskel weh

. Ich kann mich kaum an alles erinnern, was ich heute gesehen habe, es war alles dabei - von verlassenen Mönchszellen bis zu den tollsten roten Pagoden und goldenen Chedis mit viel Pracht.
Pferd und Mann sind für morgen früh um 06.00 Uhr bestellt , der Sonnenaufgang wartet auf mich.
Das Abendessen wird ganz romantisch unter dem grossen Baum bei indirekter Beleuchtung eingenommen. Hier gibt es jeden Abend eine kleine halbstündige Marionettenvorführung. Der Puppenspieler ist sehr freundlich , es werden verschiedene Szenen aus der Mythologie gezeigt. Die Musik allerdings erinnert an den Schmerz einen Katze, der gerade ein Auto über den Schwanz gefahren ist. Später am Inle See sehe ich eine weitere Aufführung und die Musik dort ist um Klassen besser.
Heute brauchte ich keinen Wecker, ich hab ja meinen burmesischen Familienweckdienst über mir !
Die heutige Pagodenliste beinhaltet : Minyeingon für den Sonnenaufgang, Mingalazedi, Abeyadana, Nagayon, Somingyi Ok-Kyaung, Lawkanada, Ashe + Anauk Petleik .
Den Tempel für den Sonnenaufgang hatte ich am Vortag schon mal sondiert, denn ich habe gelesen dass es in manchen Tempeln Schlangen gibt, die sich in den warmen Winkeln von Treppen aufhalten...uuuuaaahhhhhhh

. Und tatsächlich hat man hier eine seeehr enge Treppe zu erklimmen, fast eingeschlossen im Gemäuer. Also hab ich heute alte Socken an und bin mit einer Taschenlampe bewaffnet. Das ist auch gut so, denn sonst hätte ich noch nicht einmal die Treppe nach oben gefunden

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Es sind zum Glúck nur wenig Menschen zu dieser frúhen Stunde unterwegs. Der himmel färbt sich langsam in grau,rosa, hellblau und im Morgendunst lassen sich die Berge und weiter entfernte Pagoden nur zart erahnen. Es ist eine sehr sanfte Stimmung und ein perfekter Tagesbeginn.
Es geht wieder von pagode zu Pagode......aber, ich habe in den letzten Wochen schon so viele Pagoden, Tempel und Ruinen gesehen, dass es mir gerade fast zuviel ist. Bangkok, Shokothai,Chiang Mai, Mandalay....überall Sakralbauten. Am Ende des Tages mag ich schon keine Fotos mehr machen. und DAS ist sehr arg !!!
Was soll ich sagen, abends bin ich ausgetempelt, tempeld out, kann keine Pagode mehr von der anderen unterscheiden.
Wenn man so in seinem horsecart sitzt, die Beine baumeln raus, dann kommt es immer wieder zu lustigen Begegnungen. Ein Moped nähert sich, bleibt genau hinter mir. Ein netter Burmese lächelt, fragt, woher, wohin, zieht dann ein kleines Schächtelchen aus der Hosentasche und fragt, ob ich nicht einen ECHTEN Edelstein kaufen möchte. Nein danke, brauch ich nicht. OK, tata and have a nice day. Der nächste lässt nicht lange auf sich warten . Hallo , woherwohin, in welchen Hotel wohnen sie? Warum möchten sie das denn wissen ? Ich möchte ihnen Malereien verkaufen. Hab schon welche. Aber meine sind besonders schön. Meine auch. Meine sind preiswert. Waren meine auch. Inzwichen lachen wir alle. Ich möchte aber zum Hotel kommen....NEIN DANKE !! Na gut, einen schönen Tag noch, tata. Ein Lächeln und weg ist er.
Der Buchverkäufer lässt nicht lange auf sich warten. Bin schon gespannt, was der anzubieten hat. Der üblichen Begrüssung folgt ein Buch........sorry, ich kann nicht burmesisch lesen. Woher ich bin - Germany. Jou, der zieht tatsächlich ein deutsches Buch aus der Tasche. Leider ist es auch das einzige. Da ich allerdings ganz dringend was zum lesen brauche und nirgends was finde, kaufe ich es ihm ab. Aber, hallo die Waldfee.......das ist ein Buch....neeeee....von Orson Wells - Tage in Burma. Schien mir passend, und Wells habe ich noch nie gelesen. Allerdings werde ich das auch nie mehr tun !! Das ist so ein depressives Werk, wenn man das ganz bis zum Ende durchliest, will man sich nur noch von der höchsten Pagode stürzenn und seinem Leben ein Ende setzen. Damit das nicht passiet, hab ich es nach 1/3 in den Abfall befördert.
Abends geh ich mit zwei Österreicherinnen in ein kleines Resti in New Bagan essen. Es gibt eine leckere Senfsuppe und einen schrecklichen fried rice der in Öl schwimmt.
Wir sitzen noch eine Weile vor dem schönen Superior Zimmer der beiden und erzählen uns was. Auch Helga, eine der beiden, pensionierte Lehrerin ist fast das ganze Jahr über auf Reisen. Ihre Freundin, Uschi, ist etwas klein, hat einen grossen Busen (die Bluse spannt ständig!) und hat die Lippen immer etwas missbilligend gekräuselt, sodass sich ganz viele Plisseefältchen gebildet haben. Also, Menschen lernt man ja schon die unterschiedlichsten kennen !!!
Morgen um 14.00 Uhr geht mein Flieger von Bagan nach Heho und dann mit einem Auto weiter bis zum Inle See.
Das fliegen in Burma ist eine gemütliche Angelegenheit. Am Airport gibt es eine Holztheke, das Gepäck wird nicht gewogen - wozu denn ??? Man bekommt einen Anhänger an die Reisetasche und ein Junge bringt diese mit einem Bollerkarren zum Flugzeug

. Im Warteraum ist es auch ganz einfach und wenn der Flug dran ist, kommt jemand mit einem Stück Karton auf dem die Flugnummer steht

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Bis morgen.