Koh Phangan – Inselfieber
Inzwischen hatten wir herausgefunden, dass morgens in der Rezeption unserer Herberge heisses Wasser, Kaffeepulvertüten, Tee usw. bereitsteht. Für nur 10ThB nimmt man sich, was man braucht und trägt die Summe in ein kleines Büchlein unter der Nr. der selbstbewohnten (!) Hütte ein. Unser morgendlicher Kaffee war also gesichert. Der Inselplan, samt vorsorglich gesammelten Werbebroschüren wurden eingehend studiert und Touren geplant.
Eins wurde uns allerdings nach den bisherigen Fussmärschen klar: Wir brauchen fahrbare Untersätze!
Die ausgepeilten Strecken waren zu weit, um erstens zu Laufen und zweitens mit Taxi / TukTuk zu teuer. Blieb noch die Möglichkeit, dass wir uns Motorroller mieten würden..
Aaber…
Es ist schon einiges merk- und fragwürdig auf diesem, als Partyinsel verschrienen Eiland. Insbesondere der Transport hier ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Auf z.T. abenteuerlichen Pisten, abseits der fleissig ausgebauten Hauptstrassen liefern sich Einheimische eine Art Dauerrallye mit den Touristen, die oft in massloser Selbstüberschätzung sich kräftige Maschinen (125ccm und mehr) ausleihen, um so das Gefühl der Freiheit und Ungebundenheit zu erleben. Allen Hinweisen in Reiseführern und einschlägigen Foren im Internet zum Trotz wird Vollgas gegeben, was hier und dort zu Unfällen führt, die zwar meist glimpflich ablaufen, aber mindestens die berüchtigten "Koh Phangan-Tattoo‘s" einbringen. Und so manches Tier humpelt gar auf nur noch drei Beinen, was zweifellos dieser Raserei zuzuschreiben ist. Vom Lärm und Gestank mal ganz abgesehen.
Daher schienen wir, als Fussgänger
Dieser Schritt stand nun an, nachdem wir feststellten, dass Koh Phangan einfach mal zu groß und zu bergig für Fussmärsche ist. So beschlossen wir also, uns doch für die nächsten 2 Tage je zwei fahrbare Untersätze in Form eines Mopeds für Ari (wegen Gewöhnung an eine Gangschaltung) und einen Automatikroller für mich (wegen gar keiner Erfahrung mit Gangschaltung) zu mieten.
Ich und motorisiertes Zweirad..
Tja, dass war für mich als passionierten Ablehner jeglichen motorisierten Zweirads nun eine echte Überwindung. Ich hatte seinerzeit, als Ari ihren Motorrad-Führerschein machte, schon so meine Probleme. Es gab traurige Vorgeschichten in meiner Vergangenheit, na ja.
Au weia… Ob das gut geht bei den Irren hier auf der Insel und den abenteuerlichen Strassen ??
Die erste Gewöhnungsphase klappte aber wider Erwartens recht gut bei mir, ich wurde zuversichtlicher und wir beschlossen an Hand der Inselkarte, welche Punkte wir wann erkunden wollten. Tagesgepäck zusammengestellt und los gings. Zu erst an den „Phaeng Waterfall“ in einem als Naturpark („Thon Sadet“) ausgewiesenen Dschungel. Es wurde ein spannender und anstrengender Aufstieg, den Wasserfall entlang zum höchsten "View Point", den wir aber einfach nicht erreichen wollten. Immer wieder gab es ein neues Schild mit neuen Entfernungsangaben, verwirrend. Da haben wir dann aber einen anderen gefunden, der auch sehr schön war.
Weiter gings nach den nördlichen Buchten, erstmal nach „Chaloklum“, wo wir einen traumhaft schönen Strand vorfanden und das seidig und türkisblaue Meer zum sofortigen Bad einlud! Noch spektakulärer war dann Koh Ma, eine kleine Insel, die bei Ebbe trockenen Fusses zu erreichen war. Da hier das Wasser noch klarer zu sein schien, wollten wir das am nächsten Tag mit unserer eigens angeschafften (und überflüssigerweise ständig mitgeschleppten) Schnorchelausrüstung herausfinden. Wir machten noch einige Kilometer und wussten nun, warum es an fast jedem Geschäft ein Regal mit Ersatzbenzin gab. Schließlich landeten wir abends am Nachtmarkt der sog. Hauptstadt Thong Sala, wo wir den Trubel und die sehr leckeren Garküchen ausgiebigst genossen.
Das Motorradfahren machte uns mehr und mehr Spass, vor allem, da wir nun, für uns sonst unerreichbare Flecken erkunden konnten. Leger und etwas stolz parkten wir unsere Maschinen vor der Herberge und gönnten uns endlich ein kühles Bier. Am Tag drauf also alles eingepackt und los gings zur Ansichtskartenstelle. Dort wollten wir dann kaum noch aus dem Wasser, da uns die vielen Fische, Korallen und das ganze Urlaubserlebnis überhaupt völlig in den Bann zog. Ich musste nur etwas aufpassen, damit mein Ohr nicht wieder meckert. Es wurde ja besser und besser und die Ohrenstöpsel halfen auch bei der Fahrerei. Noch ein paar andere Stellen haben wir dann erkundet, so wurde es ein richtig schöner Urlaubstag.
Aber da gab es ja an diesem 28.12. noch zwei interessante Termine:
Den langersehnten Wunsch, mal einen Vollmondaufgang aus dem Meer (geht ja nur im Osten der Insel) zu erleben und uns die sagenumwobene Fullmoon-Party (als größte Beachparty der Welt beworben) wenigstens mal anzugucken. Also fuhren wir ziemlich flott (die maximal erreichten 60 Km/h waren für mich def. die Grenze!) quer durch die Insel nach Südosten zum „Haad Rin-Beach“.
Dort suchten wir uns ein schniekes kleines Restaurant oben am Berg, um hoffentlich von dort aus den Vollmond auftauchen zu sehen. Unten tobte schon die Meute und die Musik hörte man bis hoch am Berg. Ein Kriegsschiff ankerte(wegen möglicher Piraten?) nicht weit und der mattleuchtende Trabant zeigte sich dann endlich direkt über dem Schiff am Horizont. Die Scheibe Mond war zwar schon ein Fingerbreit hoch am Horizont, da Wolken den direkten Aufgang aus dem Meer verhinderten. Egal, es war sehr romantisch
Okay, nun also ins Getümmel. Das kleine Städtchen hätte eigentlich jetzt schon wegen Überfüllung geschlossen werden müssen, doch dieses Ereignis scheint keine Grenzen akzeptieren zu wollen. Zehntausende füllten die Bars und Strassen, ein Megaumsatz.
Der ca. 2 Km lange Strand war mit reichlich Dancefloors bestückt, die sich gegenseitig einen "Soundbrei-Contest" lieferten.
Es war bunt, schrill und die Meisten der geschätzten 10.000 wollten sich auf jeden Fall die Kante geben und so wurden die Eimer, aus denen man sich traditionell und stilecht vollschüttet immer wieder neu mit allerlei Mischungen gefüllt und ebenso schnell auch wieder geleert. Bevor das Ganze zu sehr ausartete (und wir wegen noch Fahrens nüchtern bleiben wollten), nahmen wir Reissaus, bzw. versuchten wir es. Es dauerte eine halbe Std. für 500 Meter, um endlich aus dem Ort rauszukommen. Hunderte von diesen "Hopp on“ Taxis
In diesem, für diese Strassen völlig überdimensionierten Verkehr die bergigen Strassen zurückzufahren, war vor allem für mich eine echte Fahrprüfung und ich war heilfroh, als wir ohne Schrammen und Schäden ankamen.
Den nordöstlichen Teil der Insel zu erkunden, verhinderten (für uns) unpassierbare Wege am nächsten Tag und wir mussten umplanen. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, eine sehr versteckte „Driving Range“ (= Golf-Übungsanlage, ich beschäftige mich seit Jahren, auch beruflich damit) zu besuchen. Immer interessant, welchen Mut Leute aufbringen, so etwas aufzuziehen. Ich hatte ja meine Erfahrung damit, wie schwierig es ist, eine brauchbare und lukrative Anlage zu erstellen. Die Grundausstattung (Bälle, Schläger, Matten etc.,) war durchaus vorzeigbar. Doch scheint es wenig Sinn zu machen, hier unter diesen Bedingungen eine Golfübungsmöglichkeit anzubieten.
Es ist höchstens am Morgen und späten Nachmittag erträglich, bei dieser Hitze eine Übungseinheit zu absolvieren, was die Nutzungszeit und damit das Spielerpotential drastisch einschränkt. Und wenn dann die Lage der Schlagrichtung für Rechtshänder nachmittags auch noch entgegen der tiefstehenden Sonne ausgelegt ist, macht das auch keinen Spaß. Aber den Zustand meines verbliebenen Schwung- und Treffervermögens wollte ich doch wenigstens testen und einen Minimalumsatz generiert haben. Als einzige Spieler schlugen wir ein paar Bälle in die schöne Landschaft und freuten uns auf die Garküchen des Abendmarktes.
Unseren zuvor auf der einen Party zufällig getroffenen Freund besuchten wir danach noch, da wir Tags darauf unsere Reise über Koh Tao und Chumpon fortsetzen wollten.















