Wat Bha Rak Roi ouch

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koratwerner

Wat Bha Rak Roi ouch

Beitrag von koratwerner »

Wat Bha Rak Roi ouch

Eigentlich hätte ich gerne gewusst, was dieser Name bedeutet, denn dieser Wat unterscheidet sich von jedem anderen Wat weit und breit, weil es auf den ersten Blick mehr einer Freiluft-Geisterbahn als einer buddhistischen Stätte ähnelt. Vermutlich ist dieser Wat deshalb etwas umstritten, denn trotz der zweifellos vorhandenen Attraktivität ist er leider nicht einmal in dem offiziellen Verzeichnis der Sehenswürdigkeiten der Provinz Nakhon Ratchasima aufgeführt.

Als ich beim Frühstück zu Don sage, dass ich mir diesen Wat ansehen möchte, ist sie entsetzt und will auf Teufel komm raus nicht mit mir dorthin fahren. Vor die Entscheidung gestellt, stattdessen arbeiten zu gehen oder mit mir zu fahren, entscheidet sie sich aber letztlich doch dazu, zu mir in den Wagen zu steigen. Es ist von Korat aus nicht sehr weit. Wir fahren auf der 205 nach Passieren der Stadtgrenze nur etwa 20 km in Richtung des Städtchens Non Thai. Da es kein offizielles Hinweisschild gibt, verpassen wir beinahe die linkerhand liegende Straße, die zu dem abseits liegenden Wat führt. Um sicher zu gehen, sollten nicht Ortskundige bei Einheimischen nach dem Wat fragen. Das geht auch ohne große Verständigung, denn jeder kennt hier den Wat und zeigt dem Fremden zumindest mit einem Arm die Richtung, in der man fahren muss.

Wir verlassen uns auch auf diese Gestik und erreichen nach 1,5 km Fahrt durch Reisfelder den Wat. Er liegt inmitten einer kleinen Ortschaft direkt an der Durchgangsstraße. Da, wo rechts zwei große steinerne Elefanten sich mit erhobenem Rüssel gegenüber stehen, ist die Einfahrt zu den Parkplätzen. Wir stellen den Wagen ab und weil wir hungrig und durstig sind, stärken wir uns erst einmal in einem der vielen kleinen Restaurants.

Don ist nicht in guter Stimmung, denn im Grunde genommen befinden wir uns schon inmitten von Skulpturen, deren schreckliches Aussehen für den naiven Betrachter Furcht erregend anzusehen sind. Einige Kinder, die an diesem Dienstag während der Schulferien mit ihren Eltern hier her gekommen sind, klammern sich an deren Händen und schauen sich ängstlich um. Don murmelt etwas von Phii und ich muss sie mühsam überreden mit mir zu gehen.

Der große Tiger und die vor ihm stehenden Skulpturen von Mönchen machen noch einen friedlichen Eindruck, doch nach Passieren des eigentlichen Eingangs befinden wir uns direkt zwischen vielen Standbildern, die vermutlich Szenen aus der Mythologie darstellen, die dem Betrachter mit äußerster Brutalität zeigen, was mit ihm geschieht, wenn er gegen die Regeln eines anständigen Lebens verstößt.

Ehrlich gesagt, hätte ich kleine Kinder, würde ich wohl kaum mit ihnen diese barbarischen, zum Teil sogar unanständigen Darstellungen, ansehen wollen. Selbst Don hält sich jetzt schutzsuchend in meiner Nähe auf, schaut sich ängstlich um und ihr sonst munter plapperndes Mundwerk ist still geworden.

Ich fotografiere, was das Zeugs hält, denn die Motive nehmen scheinst kein Ende. Langsam nehmen jetzt die Darstellungen an roher Brutalität ab, doch die jetzt links und rechts des Weges stehenden Skulpturen aus der Geschichte des Landes sind auch noch dazu angetan Albträume zu erwecken.

Erst nach und nach erscheinen jetzt mythologische Darstellungen von Tieren, insbesondere der Kobra, die ja bekanntlich als der Beschützer von Buddha angesehen wird. Einigen dieser Figuren kann man durch das Einwerfen von 5 oder 10 Bath in einen Automaten dazu veranlassen über Lautsprecher Geräusche von sich zu geben. Die klingen ziemlich grauslich und Don schreckt jedes Mal zusammen, wenn unvermutet ein schriller Schrei oder eine beschwörende Stimme in ihr Ohr dringt.

Überall stehen in der ganzen Anlage an jeder nur denkbaren Stelle Opferschalen und solche Automaten. Der Renner unter diesen Einrichtungen ist eine Bühne, auf der man mittels einer Münze eine Kapelle aus tanzenden Skeletten mit 5 Bath in Bewegung setzen kann. Da steht dann Groß und Klein, staunt und hört und bei manchem Zuschauer sehe ich jetzt sogar ein leichtes Lächeln über die Gesichter huschen.

Wir passieren jetzt einen künstlichen Wasserlauf, auf dem man Krathongs setzen und einen Wunsch aussprechen kann. Die Darstellungen werden beim Weitergehen zunehmend friedlicher. Sie zeigen jetzt Situationen aus dem täglichen Leben. So zum Beispiel aus der Schule, vom Militär und den Stationen des langsamen Alt werden einer Familie.

Der Skulpturenpark ist scheinst noch im Aufbau begriffen. Wenn man glaubt, an seinem Ende angelangt zu sein, sieht man jenseits eines großen Platzes eine neuere Skulpturenallee, deren links und rechts stehenden übergroßen Figuren einen, na ja, sagen wir mal, engelhaften Eindruck machen. Don hat sich etwas beruhigt und beim Passieren dieser Allee taut sie etwas auf. Alles macht hier einen friedlichen Eindruck. Nach etwa 50 Meter macht die Allee einen Knick und nach weitern 50 Meter kommen wir zu einer zu einem überdachten Wandelgang, in dem so an die 50 sitzende Statuen berühmter Mönche aufgestellt sind.

Diese Allee wird weitergeführt, doch weil sie noch nicht fertig gestellt ist, gehen wir zurück, um uns den Rest der Anlage anzusehen. Jetzt erfahre ich auch, welchen Zweck die vereinzelt im Gelände herumstehenden kleinen weißen Häuschen erfüllen. Weil nämlich vor zweien eine safrangelbe Kutte zum Trocknen aufgehängt ist, schließe ich daraus, dass das die Kuti, die Wohnstätten der Mönche sind, die dieses etwas andere Wat betreuen.

Nachdem wir jetzt durch eine allseitig offene Halle gehen, in der in einer Reihe einige goldene Buddhastatuen links und rechts neben einem Schrein stehen, kommen wir zum Bot des Klosters. Dieses Gebäude ähnelt allerdings mehr einer Tropfsteinhöhle, als dem Allerheiligsten eines Wat. Hier treffen wir inmitten von buddhistischen Statuen auf zwei Mönche. Es sind die einzigen, die wir überhaupt in diesem Wat sehen. Sie vollziehen das in einem Wat auch sonst übliche Ritual, erteilen den Besuchern einen Segen und knüpfen ihnen einen weißen Baumwollfaden um das Armgelenk. Wahrscheinlich weil ich der einzige Fallang bin, der weit und breit zu sehen ist, widmen sie mir ihre besondere Aufmerksamkeit.

Leider klappt es mit der Verständigung nicht, doch weil ich etwas Geld spende, erhalte ich eine kleine bronzene Buddhastatue, die ich ganz sicher in hohen Ehren halten werde. Eine in Englisch gehaltene Information über dieses Kloster, die bestimmt sehr aufschlussreich sein würde, gibt es leider nicht. Stattdessen kann ich aber eine umfassende Beschreibung auf Thai erhalten. Vielleicht kann Don mir später daraus etwas übersetzen, damit ich etwas mehr über den Sinn und Zweck dieser außergewöhnlichen Anlage erfahre, die von sehr vielen Menschen besucht wird und mit Sicherheit einen tiefen religiösen Sinn für die vielen einheimischen Besucher hat.

Impressionen

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Dina

Re: Wat Bha Rak Roi ouch

Beitrag von Dina »

Hallo Werner,

vielen lieben Dank für Deine tollen Berichte. Macht so richtig Lust das mal selbst zu erleben.

Der Tempel scheint mir ja eher einer modernerer Art zu sein.
Die Skulpturen erinnern mich fast schon an Comics.
Aber grausig ist es allemal.

Wir waren auf unserer RR auch in einem recht modernen Tempel. Vll. kennst ihn Du ja auch - oder jmd. anderer => War schneeweiss - ich musste immer an das Märchen mit der Schneekönigin denken - mit Spiegelplättchen belegt und auch sehr modernen Darstellungen. z. B. ging man zum Tempel über ein Brückchen - darunter waren die Leidenden in der Hölle dargestellt - aus Beton, plastisch hervorgehoben. Im Tempel selber waren sehr moderne Bilder an der Wand - leider noch nicht fertig. u. a. war 9/11 dargestellt.
Mir hat dieser Tempel sehr gut gefallen. Fast noch besser als all das Gold. Vermutlich einfach nur, weil er anders war.

Sind diese Tempel eigentlich unter der Bevölkerung "umstritten"?
Ich denke mir eine kath. Kirche in der Art würde hierzulande sehr auf Widerstand stossen.

Grüsse aus Bayern,
Dina


koratwerner

Re: Wat Bha Rak Roi ouch

Beitrag von koratwerner »

Hallo Dina!

In Thailand kann jeder Abt sein Wat so gestalten und führen, wie er es will. Soweit mir bekannt, unterliegt er nämlich keinen übergeordneten Vorschriften.

Von der einfachen Bevölkerung wird hier jeder Wat so angenommen, wie er ist und wenn es sich um so eine Einrichtung wie dem Wat Bha Rak Roi ouch handelt, strömen die Leute, weil es hier was ausgefallenes zu sehen gibt.

Ob so ein individuell gestalteter Wat umstritten ist, vermag ich nicht zu sagen. Der Wat Bha Rak Roi ist auf jeden Fall nicht in dem offiziellen Verzeichnis der Sehenswürdigkeiten in der Provinz Nakhon Ratchasima nicht enthalten.

Was der Buddhismus -und der Geisterglaube- für die hiesige Bevölkerng bedeutet, darüber habe ich etwas in meiner Homepage

http://wernerschwalm.oyla.de

geschrieben. Hier habe ich meine Erlebnisse untergebracht, die nichts mit Reisen zu tun haben.

Danke für Dein Interesse und viele Grüße aus Korat

Werner Schwalm

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dutjai

Re: Wat Bha Rak Roi ouch

Beitrag von dutjai »

koratwerner am 04.05.2007, 06:02 hat geschrieben:Eigentlich hätte ich gerne gewusst, was dieser Name bedeutet
Hallo Werner

Richtig heisst dieser Tempel "Wat Baa Lag Roi". In Thai geschrieben = วัดป่าหลักร้อย
Wat Baa (วัดป่า) = Waldtempel
Lag Roi (หลักร้อย) = Einhundert (der Hunderter)
koratwerner am 04.05.2007, 06:02 hat geschrieben:die vermutlich Szenen aus der Mythologie darstellen
Nein, nicht einer Mythologie, sondern das sind die Leiden der Hoelle, die durch diese Steinfiguren dargestellt werden. Auch im Buddhismus kann man in die (eine von vielen) Hoellen kommen. Das Areal, indem die Moenche und Buddhafiguren sind, stellen den Himmel da.
Sicherlich kann man auch mit Kindern hingehen. Es gibt fuer die Kinder genug anderes zu sehen als die Szenen aus der Hoelle.


Der eigendliche Tempel aber liegt etwas abseits und ist fuer Besucher (auch fuer Thais) gesperrt.


koratwerner

Re: Wat Bha Rak Roi ouch

Beitrag von koratwerner »

Hallo Rolf!

Herzlichen Dank nach Maintal, bzw. Korat.

Zwischenzeitlich habe ich auch von anderer Seite gehört, dass dieser Wat „Höllenwat“ genannt wird. Anhand Deiner Mitteilung und Erklärung kann ich aber jetzt erst mein Elaborat berichtigen. Herzlichen Dank.

Auch dass der Buddhismus mehrere Hölle kennt, war mir nicht bekannt. Das ist möglicherweise noch ein interessantes Thema.

Ja, wenn ich Thai verstehen würde, dann könnte ich bestimmt noch weitere interessante Dinge erfahren, über die ich berichten würde. Vor allen Dingen haben ältere Frauen ein Schatzkästlein an alten Überlieferungen im Kopf.

Was man mit den Füßen alles nicht machen darf, ist mir auch noch nicht ganz geläufig. Da habe ich doch neulich mal eine Tragetasche mit Lebensmitteln mit meinem Fuß beiseite geschoben und meine Zukünftige war darauf hin entsetzt und hat fürchterlich mit mir geschimpft.

Na ja, alles werde ich wohl nie lernen.

Viele Grüße von

Werner


dutjai

Re: Wat Bha Rak Roi ouch

Beitrag von dutjai »

koratwerner am 09.07.2007, 04:33 hat geschrieben:Auch dass der Buddhismus mehrere Hölle kennt, war mir nicht bekannt. Das ist möglicherweise noch ein interessantes Thema....
Hallo Werner

Und ein seeehr umfassendes noch dazu. Goooogle mal mit Traiphum phra ruang. Das Traipum phra ruang ist aus der Sukhothai-Zeit und eines der aeltesten und wichtigsten Literatur der Thais. Oder gooogle auf Thai mit ไตรภูมิพระร่วง

koratwerner am 09.07.2007, 04:33 hat geschrieben:Ja, wenn ich Thai verstehen würde:
Du lebst in TH, hast doch die besten Voraussetzungen es zu lernen.....

koratwerner am 09.07.2007, 04:33 hat geschrieben:Was man mit den Füßen alles nicht machen darf, ist mir auch noch nicht ganz geläufig.
Die Fuesse sind der dreckigste Koerperteil, da die ja permanent mit dem Boden in Verbindung stehen. Ueber Essen, das auf den Boden steht, zu laufen, Taschen in dem Essen und/oder Buddhafiguren/Amulette sind, beiseite zu schieben, sollte man unterlassen. Ist einfach unhoeflich und sehr beleidigend ist es, wenn die Fuesse in Richtung Buddhafigur und/oder Moench zeigen. Die Fuesse sollte da bleiben wo sie hingehoeren, auf dem Boden naehmlich und nur zum Laufen benutzt werden. Da ist man auf der Sicheren Seite...


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