Kulinarisches aus Korat 2

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koratwerner

Kulinarisches aus Korat 2

Beitrag von koratwerner »

Egal, wo man sich in Thailand befindet, in einer Stadt, einem Dorf oder in einer kleinen Siedlung auf dem flachen Land, überall wird auf Gasbrennern oder glühender Holzkohle am Straßenrand oder in einem Restaurant gebraten, gebrutzelt, gegrillt und gekocht. Fleischspießchen, kleine Fleischstücke und Würstchen mannigfacher Art dominieren. Auseinander geklappte Hühnchen oder Fische brutzeln zwischen Stöcken geklemmt auf einem Grill, Suppenkessel dampfen, Hühnerschenkel oder Teigbällchen schwimmen in heißem Öl oder es wird auf einfachen Tischchen eines der vielen Reisgerichte serviert. Fast überall werden die Gerichte mit Vitamin Pock Pock ergänzt, wie die Thai dem Ausländer erklären. Vitamin ist wichtig. Som Tam, wie der Salat aus Papaya und Chili heißt, wird Pock Pock genannt, weil er immer in einem tönernen Mörser zubereitet wird. In ihm werden mit einem hölzernen Stampfer Knoblauch, rote Zwiebeln, grüne Mango, oder Papaya, frischer Bambus, würzige Kräuter und vor allen Dingen die scheinst unentbehrlichen roten und grünen Chilischoten gestampft. Nicht zu Brei, sondern nur solange, bis das Gemüse etwas Saft abgibt. Dann wird dem Pock Pock noch etwas Fischsauce zugegeben, vielleicht noch einige Garnelen und Erdnüsse und das Lieblingsgericht der Thai im Isan kann serviert und genüsslich mit den Fingern gegessen werden.

All diese kleinen Gerichte sind meistens auch für die weniger bemittelte Bevölkerung erschwinglich. Manchmal erhält sogar schon für 15 Baht eine köstliche Nudelsuppe mit Fleischeinlage oder für 20 Baht Pock Pock (SamTam) mit frisch gedünstetem Reis aus einem dampfenden Topf.

Eine Spezialität der besonderen Art, die man sich nicht entgehen lassen sollte ist das Thai-Barbecue, das aus Korea importierte „Nüa Xang“. Weil die Zubereitung etwas aufwendig ist und spezielle Tische dazu benötigt werden, zumal auch für einen Thai relativ teuer, immerhin ab 100 Baht aufwärts, wird es nur in wenigen Spezialrestaurants angeboten.

Thai-Barbecue ist nicht nur Essen, sondern im ganz besonderen Maße Vergnügen. Deshalb sitzen meistens mehre Personen an einem Tisch, in dessen Mitte in einem sich nach unten konisch verjüngenden Tontopf ein Holzkohlefeuer brennt. Meistens wird dieser Topf mit der bereits brennenden Kohle von der Bedienung gebracht und inmitten des Tisches in eine quadratische Öffnung eingesetzt. Dann wird über den aus dem Tisch ragenden Teil des Feuertopfs ein Blechring gestellt, der nun den Tontopf ein klein wenig überragt. Auf diesen Blechring setzt die Bedienung eine annähernd halbkugelförmige metallene Glocke, die mit ihrem äußeren vertieften Rand und den senkrecht verlaufenden Schlitzen der Glocke einer überdimensionalen Zitronenpresse ähnelt. Dann wird meist aus einem Kaffeekessel reichlich Wasser in den Rand der Glocke gefüllt und die Vorbereitungen sind abgeschlossen.

Jeder Gast hat zwischenzeitlich einen kleinen Teller erhalten, auf dem er eine Gabel, einen Löffel und zwei Essstäbchen findet. Jeder erhält außerdem ein oder mehrere kleine Schälchen, gefüllt mit scharfen Soßen, mit der er sein Grillgut nach Gefallen würzen kann. Das Grillgut besteht aus etwa 2 bis 3 mm dicken Fleischscheibchen von Huhn, Schwein oder Rind. Weiter aus dünnen Leberstückchen, klein geschnittenen Fisch, Shrimps und Tintenfisch. Bei der Bestellung kann man einzelne Komponenten auswählen, vorausgesetzt, man kennt die Bezeichnungen, denn nur selten findet man auf der Speisekarte Angaben in englischer Sprache.

Das Grillgut schwimmt meistens in einer Schüssel, aus der sich jetzt jeder Gast bedienen kann. Vorher jedoch wird auf dem höchsten Punkt des Grills ein Stück fetter Speckt gelegt, so dass das bald herab laufende Fett ein Anbrennen des Grillgutes verhindert.

Weiter wird eine große Platte mit rohem Gemüse, meist auch ein rohes Ei, immer jedoch mit einer Portion Reisnudeln auf den Tisch gestellt. All diese Zutaten werden nach und nach in das sich langsam erwärmende Wasser gelegt, wo sie nach Geschmack mehr oder weniger garen können. Parallel dazu wird das Fleisch und der Fisch auch nach und nach mit den Holzstäbchen auf die Grillglocke gelegt, schön ausgebreitet, wenn es angebraten ist gewendet, mit den Stäbchen heruntergenommen, in die Soße getunkt und gegessen. Der Geruch der glimmenden Holzkohle verbindet sich alsbald mit dem Duft des Grillguts und der dampfenden Suppe und es entsteht eine unnachahmliche Duftsymbiose, die seinesgleichen sucht. Bricht gar die Dämmerung herein, leuchtet durch die Schlitze der Grillglocke das glimmende Feuer und wenn im Hintergrund gar von einer kleinen Kapelle gespielte Volksmusik erklingt, glaubt man sich als Ausländer wirklich in eine andere, beinahe unwirkliche Welt versetzt.

Für den Ausländer, der nicht gut mit seinen Holzstäbchen umgehen kann, ist das Prozedere natürlich schwierig und manchen Fleischstückchen landet unweigerlich im siedenden Wasser. Doch keine Angst, es ist nicht verboten Gabel und Löffel zu verwenden um das Fleisch wieder auf den Grill zu platzieren. Das ist zwar nicht stilecht und manche Thai lächeln versteckt über den dummen Farang, doch es macht Spaß, sehr viel Spaß und es schmeckt wirklich köstlich.

Wegen der scharfen Soße und der abstrahlenden Wärme des Grills, wird natürlich viel getrunken und ganz besonders schmeckt zum Thai-Barbecue ein kühles Glas Bier. In fröhlicher Gesellschaft kann sich solch ein Essen über mehrere Stunden hinziehen. Es wird gegessen, getrunken und viel geschwatzt. Das Ei ist schon lange in das Gemüsewasser geschlagen, die Marinade ist auch dort gelandet, abgelaufener Fleischsaft und Fett haben sich hinzugesellt und so ist langsam eine köstliche Suppe entstanden, wie man sie auf einem Herd nie und nimmer zubereiten kann. Reicht das Fleisch nicht, kann nachgeordert werden und ist die Holzkohle verbrannt, wird von einem dienstbaren Geist nachgelegt. Verdampft das jetzt lustig kochende Wasser in der umlaufenden Rinne oder wird die Suppe ausgelöffelt, wird aus dem Kaffeekessel nachgeschüttet und eine aufmerksame Bedienung sorgt dafür, dass das Bierglas nie leer wird.

Thai-Barbecue, das ist Thailand pur. Wer auf diese Köstlichkeit verzichtet, hat wirklich etwas versäumt.

Nicht überall wird Thai-Barbecue wie hier beschrieben angeboten. Manchmal ist der Grilltopf nicht in den Tisch versenkt, dann befindet sich der Grill fast in Augenhöhe, man bekommt nach und nach schwere Arme und verliert die Lust. Es kann auch vorkommen, dass der Grill elektrisch betrieben wird. Das ist nicht stilecht, es kann nie so eine gute Atmosphäre entstehen, wie sie nur von einem knisternden Holzkohlefeuer ausgeht. Hin und wieder darf man sich sein Grillgut auch selber an einem Büffet zusammenstellen. Meistens ist das aber nicht mariniert, deshalb weniger schmackhaft und wegen der Lauferei kommt selten ein gemeinsames lustiges Gespräch auf. Ein solches Barbecue ist einfach nicht Sanuk, macht keinen richtigen Spaß.

Nichts ist schöner, als wenn man sich seine Fleischstückchen selber mit Essstäbchen aus der trüben Brühe der Schüssel fischt, es mühsam auf dem Grill ausbreitet, es wendet und dann auf seinen Teller bugsiert. Da kann man es mit Gabel und Löffel auseinander reißen, mit Würzsoße beträufeln und mit dem Löffel in der rechten Hand genüsslich in den Mund schieben. Während dann das nächste Stückchen auf dem Grill schmort, fischt man sich vielleicht ein par Glasnudeln oder etwas Gemüse aus der heißen Suppe oder spült sich den letzten Bissen mit einem kräftigen Schluck die lechzende Kehle hinunter.

Einmal wöchentlich besuche ich am mir gegenüberliegenden Stadtrand von Korat mein Barbecue-Restaurant.

Dafür nehme ich 20 km Anfahrt in Kauf, laufe Gefahr von den ewig hungrigen Moskitos des Gartenrestaurants als Leckerbissen erkannt zu werden und speise selber wie ein König. Die allzeit freundliche Bedienung vertreibt inzwischen bei jedem meiner Besuche die lästigen Moskitos, die jeden Thai ungeschoren lassen, mit einer glimmenden Räucherspirale, die einen angenehmen, exotischen Kräuterduft verströmt und ich gönne mir bei der untergehenden Sonne beim Klang von etwas schwermütigem Isan-Singe-Song das für mich beste Essen, was mir Thailand bieten kann.

Bin ich nicht sprachkundiger in Begleitung, bestelle ich mir Mu Xang. Mu ist Schweinefleisch und Xang bedeutet soviel wie Grill. Fisch backt sehr schnell fest, Leber schmeckt zwar, doch ich muss auf mein Cholesterin achten und Rindfleisch bekommt man in Thailand absolut nicht weich. Also Schweinefleisch. Das ist meistens sehr mager und schnell von beiden Seiten etwas angeröstet.

Da es in Thailand zu jeder Jahreszeit schon am frühen Abend dunkel wird, brennen in meinem Gartenrestaurant schon bald bunte Lichterketten und tauchen die Bäume, Sträucher, Tische und Menschen in ein unwirkliches Licht. Leute kommen und essen, unterhalten sich und werfen mir Fremden manchmal einen neugierigen Blick zu. Nicht selten lächeln sie mich an und bedeuten mir damit, dass sie sich darüber freuen, dass sich ein Fremder in ihrem Kreis aufhält, abseits der großen, auf Ausländer spezialisierten Restaurants der lebhaften Stadt die Geruhsamkeit und Urtümlichkeit des Landes etwas vermissen lässt. Hier unter diesen Menschen bin ich meistens der einzige Ausländer, ein Exot und die nette Bedienung versucht sich die Zunge zerbrechend, mich mit einem „Guten Abend Herr Werner“ zu begrüßen und freut sich, wenn ich den Gruß mit vor der Brust zusammengelegten Händen und dem üblicherweise gesprochenen Sawàtdi erwidere.


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Mandybär

Re: Kulinarisches aus Korat 2

Beitrag von Mandybär »

Hallo Werner,

je länger ich Deinen Bericht gelesen habe, um so mehr füllte sich mein Mund mit .........

Naja, lange ist es ja nicht mehr, dann kann ich auch wieder in Samui, vornehmlich in meinen Isan-Restaurants, in die sich normalerweise auch keine Touristen verirren, die Spezialitäten des Isans geniessen. :D

Schreibe weiter Deine netten Geschichtchen, sind immer unterhaltsam und nett zum lesen.

Grüße aus Salzburg
Mandybär


Thai-Schick

Re: Kulinarisches aus Korat 2

Beitrag von Thai-Schick »

Hallo,

wer Nüa Jaang Gaaolii essen möchte, dem kann ich noch das Kiau Sawoi Restaurant in der Thanon Wartchalasit (gegenüber vom Gefängnis) empfehlen.
Kommt übrigens aus Korea und wörtlich heisst Nüa jaang gaolii Fleich gekrillt koreanisch. Wie Koratwerner schreibt, einfach nur genial!

Google Earth

In der Nähe von Maharat Hospital gibt es noch ein weiteres das super preiswert ist (99.- B/ all you can eat) aber von der Qalität nicht mit dem Kiau Sawoi mithalten kann (eine Zweigstelle jetzt auch an der A 224, von Korat hinter der Brücke).

Gruß


rossa2007

Re: Kulinarisches aus Korat 2

Beitrag von rossa2007 »

Hallo Koratwerner, ich bin schon 1 Monat auf der Suche nach einem solchen Grill, wir waren in Bangkok und haben da das Thai BBQ kennengelernt.
Als "Oberturi" hatten wir keine Ahnung wie wir vorgehen müssen. Wir hatten uns ein wie man bei uns sagt, typisches Grillrestaurant vorgestellt.
Wir sind das erste Mal auch wieder hungrig aus dem Restaurant gegangen.
Nachdem wir abgeschaut hatten wie die Thais das machen, sind wir am nächsten Abend wieder zum Thai BBQ gegangen, wir waren sooooo begeistert
und haben stundenlang gegessen.
Ich möchte keines dieser zwei Erlebnisse missen. jetzt warte ich nur noch bis meine Grills hier ankommen, dann gehts aber los!http://www.thailanhttp://www.thailand-r ... iggrin.gif
Sehr glücklichd-reisetipps.de/forum/images/smiles/icon_biggrin.gif
Sehr glücklich


BonesMC

Re: Kulinarisches aus Korat 2

Beitrag von BonesMC »

sieht irgendwie aus wie eine Mischung aus Grillen und japanischem Shabu-Shabu...sehr interessant.


royalsenna

Re: Kulinarisches aus Korat 2

Beitrag von royalsenna »

Hallo,

weiß vielleicht jemand, wo ich diesen "Grill" in Deutschland kaufen kann?

Sonnige Grüße aus dem hohen Norden.


carlos

Re: Kulinarisches aus Korat 2

Beitrag von carlos »

ja,

gibts in gut sortierten asialäden,

gruß aus dem nassen süden

c :D rlos


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