5 Wochen in Thailand mit nur einem Paar Socken
Forumsregeln
Verfasste Reiseberichte von TUK TUK - Membern. Postings die lediglich einen Link zu einem Reisebericht enthalten der auf anderem Webspace liegt werden verschoben oder entfernt.
Verfasste Reiseberichte von TUK TUK - Membern. Postings die lediglich einen Link zu einem Reisebericht enthalten der auf anderem Webspace liegt werden verschoben oder entfernt.
-
khun sabi
5 Wochen in Thailand mit nur einem Paar Socken
Norden, Süden, Osten, Westen vom 17.11. – 15.12.2007
Mein Mann flog voraus, um in Hua Hin einige privat-geschäftliche Termine wahr-zunehmen - mitteleuropäisch winterlich gekleidet und selbstverständlich in Socken. Im Gepäck waren keine weiteren Fußwär-mer, weil wir annahmen, dass er für den Rest der Zeit barfuss in Schlappen ver-bringt und das vorhandene Paar Socken nach der Laundry friedlich im Rucksack bis zur Rückreise schlummern könnte. Weit gefehlt! Seine Schlappen rieben ihm Blasen an der Fußunterseite. Der Schlap-pen-Neukauf bei Schuhgröße 46/47 ist in Mini-Fuß-Thailand nicht so einfach. War aber von Erfolg gekrönt. Die Freude schwächte sich ab, als die neuen Fußklei-der ebenso rieben. Also das feste Schuh-werk wieder an und das Sockenpaar hand-gewaschen.
Wir brauchen Socken!
Mein Hinflug mit Sri Lankan war eine Katastrophe, hingegen flog mein Mann mit derselben Airline 5 Tage früher und war mit dem Service sehr zufrieden. Ich jedenfalls hatte ein völlig unprofessionell agierendes hilfloses Team erwischt…
Da mein Aufschlag in Bangkok nun schon der 8. in meinem Leben war, hat mich der Kulturschock dieses Mal nur mäßig ge-streift. Man liebt sie oder man hasst sie - und ich liebe diese Stadt. Vor allem, wenn ich auf dem Fluss bin oder in ruhigen Wats sitze oder in Banglamphu in einer Seitengasse einen Tee genieße. Aber ich mag auch mal Bangkok-Extrem erleben: Chinatown oder Prantunam .
Diesmal sind wir nicht im „Rajata“ eingezogen, sondern im „Rambuttri Village Inn“. Ich fand den Pool auf dem Dach schon etwas dekadent, aber es ist – wenn ich ehrlich bin – sehr erholsam, nach ei-nem hektischen Moloch-Tag eine Runde zu schwimmen oder die Augen auf das glänzende Dach eines Klosters oder auf die Silhouette der Rama IX. Bridge zu richten.
Aber weder in den umliegenden Straßengeschäften waren passende Socken zu finden, noch in Prantunam.
Nach vier Tagen sind wir dann doch geflüchtet – und zwar mit dem Flieger in den Norden des Landes nach Chiang Mai. Die-se Stadt hat ziemlich enttäuscht – wurde uns doch vorher sehr viel Schwärmerei zugetragen. Es mag am Wetter gelegen haben – es goss wie aus Kübeln! – oder an der vorhergegangenen Reizüberflutung Bangkok oder daran, dass uns während eines Stadtrundgangs ein strategisch wohlplatzierter Trafo mit ohrenbetäubendem Knall fast um die Ohren flog, jedenfalls waren wir froh, als wir im Minibus nach Pai saßen. Die ca. 130 km lange Strecke trägt den Namen „Straße der 300 Kurven“ zu Recht. Aber selbst Travelsickness-Anfällige werden mit atemberaubenden Ausblicken auf morgens nebelverhangene Bergkämme und später auf wie aufgestapelt daliegende bewaldete Höhenzüge belohnt.
Das im Reiseführer als „verschlafenes Provinznest“ bezeichnete Pai platzte aus allen Nähten. Es war Loi-Kratong-Wochenende und demzufolge strömten feierwillige Menschenmassen aus der näheren und weiteren Umgebung in den Ort. Wir hatten jedoch keine Mühe, eine Unterkunft zu finden. Wir buchten ein massi-ves Bungalow im „Wan Chang Puek Re-sort“ mit Ausblick auf die Berge hinter dem Fluss. Am gegenüberliegenden Ufer warteten auch Holzbungalows auf Mieter.
Socken hatten wir immer noch keine.
Mit dem Motorrad haben wir tagsüber die nahegelegenen Sehenswürdigkeiten – Hot Springs, Canyons, Wasserfälle – schnell erreichen können. Viel interessanter waren jedoch die Fahrten durch die Dörfer bzw. kleinere Imbissaufenthalte dort. Sehr verhalten freundliche und neugierige Menschen haben wir getroffen. Die Kulturlandschaft der Reisfelder hatte ich auch noch nie gesehen – zog es mich bisher immer in den Süden auf die Inseln. Und da gibt es nur Kokosnuss- oder Kautschuk-plantagen – wenig Reisfelder.
Auf der abendlichen Suche nach einem Schmaus kamen wir an einem Hähnchenbratstand vorbei, der ein großes Schild mit „KFG“ trug. Mein Mann und ich sagten zeitgleich: „Kentucky Fried Gai!“.
Das Loi-Kratong-Fest ist – wegen der Lichter – eher eine abendliche Angelegenheit. Am Flussufer stehend, wurden wir von einer Gruppe junger Thais eingeladen, die Reispapier-Ballons mit ihnen gemeinsam zu starten. Und es klappte! Es ist ein märchenhafter Anblick, wenn am Nacht-himmel viele dieser Ballons davonschweben und der Vollmond schaut behäbig zu. Voller Ehrgeiz kauften wir am nächsten Tag auch einen eigenen Ballon. Schön, wie lange man ihn im Blick behielt, bevor er – gemeinsam mit vielen anderen - verlöschte.
Unsere Loi-Kratong-Schiffchen haben wir auch in den Fluss gesetzt – Kerze und Räucherstäbchen selbstverständlich ange-zündet und mit einem Fingernagelschnippsel, etwas Haar und kleinen Baht-Münzen versehen. Die Strömung trieb sie ab ins Ried, aber meine Schwester stieg mutig in den nachtschwarzen Fluss und machte sie wieder flott – unsere Schiffchen und gleich die Schiffchen der Thai-Mädchengruppe neben uns mit, die auch gestrandet waren. Ein Kop-khun-kaaah! -Chor empfing meine Schwester, als sie aus dem Fluss ans Ufer stieg. Hatte da etwa eine Farang das Glück einiger thailändischer Mädchen gerettet?
Es war ein wunderschöner leichter Abend mit viel Freude und stillem Genießen.
Aber Socken wurden uns leider nicht beschert während unserer Tage in Pai.
Nach der Rückfahrt über die 300-Kurven-Achterbahn nach Chiang Mai Airport gaben wir uns einen kompletten Szenen-wechsel: Von der nördlichen 2000-m-Höhenlage zur südlichen Zero-Linie auf Samui. Ich mag Samui nicht – aber der Flughafen! Der Flughafen! Irgendwie hat er etwas niedlich-puppenstubenartiges.
Inzwischen war das Sockenpaar meinem Mann richtig ans Herz gewachsen. Es gab ja nur sie und ihn.
Koh Pha-Ngan lag in Sichtweite – jedoch fanden wir keine Fähre, die zeitnah direkt Thong Sala auf der Süd-West-Seite der Insel ansteuerte. Die meisten fuhren nach Haad Rin auf der Süd-Ost-Seite. Es gibt eine Verbindung zwischen den beiden Or-ten, eine Straße, die auch ziemlich belebt ist. Aber nach Aussage meines Freundes Lucas, der schon jahrelang mit dem Auto kreuz und quer durch diverse südostasiatische Länder fährt, ist dies „die schlimmste Straße Südostasiens“. Also, wenn es sich vermeiden lässt… (Übrigens fuhren wir diese Straße während unseres Aufenthaltes mit dem Pick-up-Taxi ab. Meine Schwester kommentierte dies damit, dass sie schon schlimmere Pisten auf Skiern abgefahren sei. Ich bin mir nicht sicher, ob das irgendwie vergleichbar ist…)
Wir pendelten also zwischen dem einen und dem anderen Pier hin und her, kaperten eine passende Fähre so gegen 5 Uhr abends und erreichten meine Lieblingsinsel in der kurzen Dämmerung . Mittels Telefon hatten wir unser Kommen bei Rob im „Sea Scene“ – wo wir seit Jahren uns immer einmieten – angekündigt und uns wurde ein herzlicher Empfang zuteil. Ich liebe dieses Fleckchen Erde! Kein spektakulärer Strand, eher eine kleine, idyllische Bucht, sehr schöne Bungalows nahe am Meer und eine familiäre Atmosphäre. Dies hat sich über die Jahre erhalten, trotz wachsender Professionalität, und tut ein-fach nur wohl an Körper und Seele.
Wir liehen uns eine etwas größere Maschine für unsere Erkundungstouren aus – erwischten jedoch eine üble Karre. Selbst wenn wir abgestiegen waren, vibrierten wir noch einige Minuten nach.
Es folgten nun Tage der Ruhe und Entspannung, nur wenig unterbrochen durch Motorradausflüge u.a. nach Chalok Lam im Inselnorden, wo man am kleinen Hafen wohl den frischesten und leckersten Fisch der Insel serviert bekommt. Und – wie be-reits gesagt – eine Pick-up-Fahrt auf der Höllenstraße nach Haad Rin.
Wer gerne unterwegs ist, dem empfehle ich den Transfer von der Golfseite – auf der Koh Pha-Ngan liegt – auf die Anda-manseite zur Insel Lanta. Was auf der Karte lediglich ca. 170 km sind, war eine gefühlte Kontinentalüberquerung und dauerte 15 Stunden. Doch auch während dieser halben Weltreise hatten wir keine Gelegenheit, uns nach passenden Socken umzuschauen.
Zuerst quartierten wir uns im „Riviera“ ein. Noch heute wundere ich mich ich über die Vermessenheit der Betreiber, in einem Land, wo viele Menschen Schwierigkeiten haben, das „R“ auszusprechen , einem Resort diesen Namen zu geben. Der Dialog mit den Tuk-Tuk-Fahrern in Saladan, dem Fähranleger von Koh Lanta, wohin wir denn gerne gefahren werden möchten, en-dete regelmässig mit: „Aaaaaah! Livela!“.
Mein Mann ist ein Weichei was die Schärfe von Speisen betrifft. Wenn er also sichergehen wollte, dass er nicht-scharfes Essen bekommt, bestellt er es mit dem Zusatz "mei ped" . Mein Mann sagte dies also gebetsmühlenartig bei jeder Order. Dies hatte zur Folge, dass das Personal ihn morgens im Garten bereits mit "Mei ped! Mei ped!" lauthals begrüsste. Dies wiederum hatte zur Folge, dass anwesende Australier uns erstaunt fragten, wieso der 1,96-m-Mann vom Staff als "Mein Haustier" bezeichnet wird.
Wir fanden nach wenigen Tagen das „Lanta Pavillion“, ein hübsch begrüntes Resort, auch am Khlong Kong Beach gelegen und zogen wieder mal um. Diesmal ganz elegant: Das „Pavillion“ holte uns und unser Gepäck mit dem Auto ab; so mussten wir unsere Habseligkeiten nicht am wirklich sehr, sehr heißen Strand entlang schleppen. Obwohl – schwer kann es ja nicht gewesen sein, das Gepäck, so ganz ohne Socken…
Koh Lanta ist ein einem Jahr bautechnisch explodiert! Wo im Vorjahr nur Urwald oder Brachland links und rechts der Straße war, entstanden Ressorts, Hotels, Bars und Restaurants – in fast undurchbrochener Linie. Und vor 12 Jahren gab es hier nicht einmal elektrischen Strom… Das war’s ja dann wohl mit dem „Geheimtipp“ und die TUI- und Neckermann-Karawanen werden hier bald eintreffen. Und dann gibt es vielleicht auch Socken in Größe 46/47. Die gibt es nämlich bisher auf Koh Lanta nicht.
Ähnlich der wachsenden Bebauung haben sich die Massagefrauen wundersam vermehrt. Auch wir haben die – von uns so genannte – ‚Mani-, Pedi- und Walküre’ in Anspruch genommen. Vergleicht man jedoch das Können der auf Wohlfühlmassa-ge ausgerichteten Strandfrauen mit den von mir heißgeliebten und teilweise schmerzhaften Massagen in der Massage-schule des Wat Pho in Bangkok… nein. Man kann es nicht vergleichen.
Auch bei vier Wochen Urlaubsdauer ist irgendwann ein Ende in Sicht. Wir verabschiedeten uns wehmütig von der Anda-mansea und flogen via Krabi zurück nach Bangkok. Überall waren Weihnachtsbäume aufgebaut, die uns daran erinnerten, dass es doch Sinn machen würde, evtl. exotische Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Gestärkt durch einen Massagebesuch im Wat Pho, kämpften wir uns durch das Wholesale- und Retail-Shop-Gewühle von Prantunam. Wir versuchten der Hektik zu entrinnen und setzten uns mit einem Beutel frischer Früchte auf die Stufen vor einem Geschäft. Ein russisches Paar kam vorüber, er fasste nach einem Sweatshirt und fragte uns (!): „How much?“. Nun ja, wir waren zwar vier Wochen hier, aber wir denken, dass wir trotzdem noch nicht den perfekten Thai-Look hatten und lachten.
In Prantunam gab es alle Sorten von Strümpfen, Sneakersocken, Stulpen… bis Größe 39/40. Aber ich glaube, mein Mann hatte sich schon so sehr an sein x-mal gewaschenes Lieblingspaar gewöhnt, dass er es nicht mehr missen wollte.
Der Abreisetag kam, wir packten unsere – um 3 Paar neue Socken, die wir doch noch in einem kleinen Kaufhaus um die Ecke in Banglamphu fanden, angereicherten Siebensachen, orderten ein Taxi und nahmen Abschied. Der neue Suvarnabhumi Airport entspricht von der Größe her den Dimensionen dieser Stadt. Als ich ein letztes Foto machen wollte, stiegen mir siedend heiß Schreck und Panik hoch: ich hatte meinen Fotoapparat auf dem Rücksitz des Taxis liegengelassen! Hunderte von Fotos auf der 2-GB-Karte waren verloren. Wut über meine zerstreute Nachlässigkeit und Verzweiflung wegen der Unwiderbringlichkeit und ein wenig Ärger wegen des materiellen Verlustes wechselten sich ab und ich war untröstlich und ich ließ die Tränen laufen. So standen wir noch eine Weile vor dem Eingang herum, bis unser Taxifahrer mit meinem Fotoapparat in der Hand uns strahlend entgegenkam. Die Chancen, dass er uns – nachdem er abgefahren war, nicht wenden konnte, um das ganze Flughafengelände herumfahren musste und ohne Kenntnis unserer Namen und Ziel unseres Fluges – in diesem riesenhaften Flughafenterminal finden würde, standen gleich Null. Aber er versuchte es trotzdem. Ich vergaß alle guten thailändischen Sitten und umarmte ihn fest. Gut, dass ich vor der Abfahrt zum Flughafen das Taxi fotografierte, weil es so total überladen ausschaute. Daher ist uns sein Autokennzeichen bekannt:
[Bild kommt später]
Wenn also einer der werten Leser einmal in Bangkok ist und sich zufällig in der Rambuttri Soi im Stadtteil Banglamphu aufhält – so möge er nach diesem Taxifahrer Ausschau halten und ihm von der großen Freude berichten, die er mir bereitet hat.
Ich bin geneigt zu sagen: So ist Thailand! Aber das ist nicht richtig. Es muss heißen:
So sind die Menschen in Thailand. Und zu ihnen zieht es mich jedes Jahr erneut.
Sawadi Kah!
Mein Mann flog voraus, um in Hua Hin einige privat-geschäftliche Termine wahr-zunehmen - mitteleuropäisch winterlich gekleidet und selbstverständlich in Socken. Im Gepäck waren keine weiteren Fußwär-mer, weil wir annahmen, dass er für den Rest der Zeit barfuss in Schlappen ver-bringt und das vorhandene Paar Socken nach der Laundry friedlich im Rucksack bis zur Rückreise schlummern könnte. Weit gefehlt! Seine Schlappen rieben ihm Blasen an der Fußunterseite. Der Schlap-pen-Neukauf bei Schuhgröße 46/47 ist in Mini-Fuß-Thailand nicht so einfach. War aber von Erfolg gekrönt. Die Freude schwächte sich ab, als die neuen Fußklei-der ebenso rieben. Also das feste Schuh-werk wieder an und das Sockenpaar hand-gewaschen.
Wir brauchen Socken!
Mein Hinflug mit Sri Lankan war eine Katastrophe, hingegen flog mein Mann mit derselben Airline 5 Tage früher und war mit dem Service sehr zufrieden. Ich jedenfalls hatte ein völlig unprofessionell agierendes hilfloses Team erwischt…
Da mein Aufschlag in Bangkok nun schon der 8. in meinem Leben war, hat mich der Kulturschock dieses Mal nur mäßig ge-streift. Man liebt sie oder man hasst sie - und ich liebe diese Stadt. Vor allem, wenn ich auf dem Fluss bin oder in ruhigen Wats sitze oder in Banglamphu in einer Seitengasse einen Tee genieße. Aber ich mag auch mal Bangkok-Extrem erleben: Chinatown oder Prantunam .
Diesmal sind wir nicht im „Rajata“ eingezogen, sondern im „Rambuttri Village Inn“. Ich fand den Pool auf dem Dach schon etwas dekadent, aber es ist – wenn ich ehrlich bin – sehr erholsam, nach ei-nem hektischen Moloch-Tag eine Runde zu schwimmen oder die Augen auf das glänzende Dach eines Klosters oder auf die Silhouette der Rama IX. Bridge zu richten.
Aber weder in den umliegenden Straßengeschäften waren passende Socken zu finden, noch in Prantunam.
Nach vier Tagen sind wir dann doch geflüchtet – und zwar mit dem Flieger in den Norden des Landes nach Chiang Mai. Die-se Stadt hat ziemlich enttäuscht – wurde uns doch vorher sehr viel Schwärmerei zugetragen. Es mag am Wetter gelegen haben – es goss wie aus Kübeln! – oder an der vorhergegangenen Reizüberflutung Bangkok oder daran, dass uns während eines Stadtrundgangs ein strategisch wohlplatzierter Trafo mit ohrenbetäubendem Knall fast um die Ohren flog, jedenfalls waren wir froh, als wir im Minibus nach Pai saßen. Die ca. 130 km lange Strecke trägt den Namen „Straße der 300 Kurven“ zu Recht. Aber selbst Travelsickness-Anfällige werden mit atemberaubenden Ausblicken auf morgens nebelverhangene Bergkämme und später auf wie aufgestapelt daliegende bewaldete Höhenzüge belohnt.
Das im Reiseführer als „verschlafenes Provinznest“ bezeichnete Pai platzte aus allen Nähten. Es war Loi-Kratong-Wochenende und demzufolge strömten feierwillige Menschenmassen aus der näheren und weiteren Umgebung in den Ort. Wir hatten jedoch keine Mühe, eine Unterkunft zu finden. Wir buchten ein massi-ves Bungalow im „Wan Chang Puek Re-sort“ mit Ausblick auf die Berge hinter dem Fluss. Am gegenüberliegenden Ufer warteten auch Holzbungalows auf Mieter.
Socken hatten wir immer noch keine.
Mit dem Motorrad haben wir tagsüber die nahegelegenen Sehenswürdigkeiten – Hot Springs, Canyons, Wasserfälle – schnell erreichen können. Viel interessanter waren jedoch die Fahrten durch die Dörfer bzw. kleinere Imbissaufenthalte dort. Sehr verhalten freundliche und neugierige Menschen haben wir getroffen. Die Kulturlandschaft der Reisfelder hatte ich auch noch nie gesehen – zog es mich bisher immer in den Süden auf die Inseln. Und da gibt es nur Kokosnuss- oder Kautschuk-plantagen – wenig Reisfelder.
Auf der abendlichen Suche nach einem Schmaus kamen wir an einem Hähnchenbratstand vorbei, der ein großes Schild mit „KFG“ trug. Mein Mann und ich sagten zeitgleich: „Kentucky Fried Gai!“.
Das Loi-Kratong-Fest ist – wegen der Lichter – eher eine abendliche Angelegenheit. Am Flussufer stehend, wurden wir von einer Gruppe junger Thais eingeladen, die Reispapier-Ballons mit ihnen gemeinsam zu starten. Und es klappte! Es ist ein märchenhafter Anblick, wenn am Nacht-himmel viele dieser Ballons davonschweben und der Vollmond schaut behäbig zu. Voller Ehrgeiz kauften wir am nächsten Tag auch einen eigenen Ballon. Schön, wie lange man ihn im Blick behielt, bevor er – gemeinsam mit vielen anderen - verlöschte.
Unsere Loi-Kratong-Schiffchen haben wir auch in den Fluss gesetzt – Kerze und Räucherstäbchen selbstverständlich ange-zündet und mit einem Fingernagelschnippsel, etwas Haar und kleinen Baht-Münzen versehen. Die Strömung trieb sie ab ins Ried, aber meine Schwester stieg mutig in den nachtschwarzen Fluss und machte sie wieder flott – unsere Schiffchen und gleich die Schiffchen der Thai-Mädchengruppe neben uns mit, die auch gestrandet waren. Ein Kop-khun-kaaah! -Chor empfing meine Schwester, als sie aus dem Fluss ans Ufer stieg. Hatte da etwa eine Farang das Glück einiger thailändischer Mädchen gerettet?
Es war ein wunderschöner leichter Abend mit viel Freude und stillem Genießen.
Aber Socken wurden uns leider nicht beschert während unserer Tage in Pai.
Nach der Rückfahrt über die 300-Kurven-Achterbahn nach Chiang Mai Airport gaben wir uns einen kompletten Szenen-wechsel: Von der nördlichen 2000-m-Höhenlage zur südlichen Zero-Linie auf Samui. Ich mag Samui nicht – aber der Flughafen! Der Flughafen! Irgendwie hat er etwas niedlich-puppenstubenartiges.
Inzwischen war das Sockenpaar meinem Mann richtig ans Herz gewachsen. Es gab ja nur sie und ihn.
Koh Pha-Ngan lag in Sichtweite – jedoch fanden wir keine Fähre, die zeitnah direkt Thong Sala auf der Süd-West-Seite der Insel ansteuerte. Die meisten fuhren nach Haad Rin auf der Süd-Ost-Seite. Es gibt eine Verbindung zwischen den beiden Or-ten, eine Straße, die auch ziemlich belebt ist. Aber nach Aussage meines Freundes Lucas, der schon jahrelang mit dem Auto kreuz und quer durch diverse südostasiatische Länder fährt, ist dies „die schlimmste Straße Südostasiens“. Also, wenn es sich vermeiden lässt… (Übrigens fuhren wir diese Straße während unseres Aufenthaltes mit dem Pick-up-Taxi ab. Meine Schwester kommentierte dies damit, dass sie schon schlimmere Pisten auf Skiern abgefahren sei. Ich bin mir nicht sicher, ob das irgendwie vergleichbar ist…)
Wir pendelten also zwischen dem einen und dem anderen Pier hin und her, kaperten eine passende Fähre so gegen 5 Uhr abends und erreichten meine Lieblingsinsel in der kurzen Dämmerung . Mittels Telefon hatten wir unser Kommen bei Rob im „Sea Scene“ – wo wir seit Jahren uns immer einmieten – angekündigt und uns wurde ein herzlicher Empfang zuteil. Ich liebe dieses Fleckchen Erde! Kein spektakulärer Strand, eher eine kleine, idyllische Bucht, sehr schöne Bungalows nahe am Meer und eine familiäre Atmosphäre. Dies hat sich über die Jahre erhalten, trotz wachsender Professionalität, und tut ein-fach nur wohl an Körper und Seele.
Wir liehen uns eine etwas größere Maschine für unsere Erkundungstouren aus – erwischten jedoch eine üble Karre. Selbst wenn wir abgestiegen waren, vibrierten wir noch einige Minuten nach.
Es folgten nun Tage der Ruhe und Entspannung, nur wenig unterbrochen durch Motorradausflüge u.a. nach Chalok Lam im Inselnorden, wo man am kleinen Hafen wohl den frischesten und leckersten Fisch der Insel serviert bekommt. Und – wie be-reits gesagt – eine Pick-up-Fahrt auf der Höllenstraße nach Haad Rin.
Wer gerne unterwegs ist, dem empfehle ich den Transfer von der Golfseite – auf der Koh Pha-Ngan liegt – auf die Anda-manseite zur Insel Lanta. Was auf der Karte lediglich ca. 170 km sind, war eine gefühlte Kontinentalüberquerung und dauerte 15 Stunden. Doch auch während dieser halben Weltreise hatten wir keine Gelegenheit, uns nach passenden Socken umzuschauen.
Zuerst quartierten wir uns im „Riviera“ ein. Noch heute wundere ich mich ich über die Vermessenheit der Betreiber, in einem Land, wo viele Menschen Schwierigkeiten haben, das „R“ auszusprechen , einem Resort diesen Namen zu geben. Der Dialog mit den Tuk-Tuk-Fahrern in Saladan, dem Fähranleger von Koh Lanta, wohin wir denn gerne gefahren werden möchten, en-dete regelmässig mit: „Aaaaaah! Livela!“.
Mein Mann ist ein Weichei was die Schärfe von Speisen betrifft. Wenn er also sichergehen wollte, dass er nicht-scharfes Essen bekommt, bestellt er es mit dem Zusatz "mei ped" . Mein Mann sagte dies also gebetsmühlenartig bei jeder Order. Dies hatte zur Folge, dass das Personal ihn morgens im Garten bereits mit "Mei ped! Mei ped!" lauthals begrüsste. Dies wiederum hatte zur Folge, dass anwesende Australier uns erstaunt fragten, wieso der 1,96-m-Mann vom Staff als "Mein Haustier" bezeichnet wird.
Wir fanden nach wenigen Tagen das „Lanta Pavillion“, ein hübsch begrüntes Resort, auch am Khlong Kong Beach gelegen und zogen wieder mal um. Diesmal ganz elegant: Das „Pavillion“ holte uns und unser Gepäck mit dem Auto ab; so mussten wir unsere Habseligkeiten nicht am wirklich sehr, sehr heißen Strand entlang schleppen. Obwohl – schwer kann es ja nicht gewesen sein, das Gepäck, so ganz ohne Socken…
Koh Lanta ist ein einem Jahr bautechnisch explodiert! Wo im Vorjahr nur Urwald oder Brachland links und rechts der Straße war, entstanden Ressorts, Hotels, Bars und Restaurants – in fast undurchbrochener Linie. Und vor 12 Jahren gab es hier nicht einmal elektrischen Strom… Das war’s ja dann wohl mit dem „Geheimtipp“ und die TUI- und Neckermann-Karawanen werden hier bald eintreffen. Und dann gibt es vielleicht auch Socken in Größe 46/47. Die gibt es nämlich bisher auf Koh Lanta nicht.
Ähnlich der wachsenden Bebauung haben sich die Massagefrauen wundersam vermehrt. Auch wir haben die – von uns so genannte – ‚Mani-, Pedi- und Walküre’ in Anspruch genommen. Vergleicht man jedoch das Können der auf Wohlfühlmassa-ge ausgerichteten Strandfrauen mit den von mir heißgeliebten und teilweise schmerzhaften Massagen in der Massage-schule des Wat Pho in Bangkok… nein. Man kann es nicht vergleichen.
Auch bei vier Wochen Urlaubsdauer ist irgendwann ein Ende in Sicht. Wir verabschiedeten uns wehmütig von der Anda-mansea und flogen via Krabi zurück nach Bangkok. Überall waren Weihnachtsbäume aufgebaut, die uns daran erinnerten, dass es doch Sinn machen würde, evtl. exotische Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Gestärkt durch einen Massagebesuch im Wat Pho, kämpften wir uns durch das Wholesale- und Retail-Shop-Gewühle von Prantunam. Wir versuchten der Hektik zu entrinnen und setzten uns mit einem Beutel frischer Früchte auf die Stufen vor einem Geschäft. Ein russisches Paar kam vorüber, er fasste nach einem Sweatshirt und fragte uns (!): „How much?“. Nun ja, wir waren zwar vier Wochen hier, aber wir denken, dass wir trotzdem noch nicht den perfekten Thai-Look hatten und lachten.
In Prantunam gab es alle Sorten von Strümpfen, Sneakersocken, Stulpen… bis Größe 39/40. Aber ich glaube, mein Mann hatte sich schon so sehr an sein x-mal gewaschenes Lieblingspaar gewöhnt, dass er es nicht mehr missen wollte.
Der Abreisetag kam, wir packten unsere – um 3 Paar neue Socken, die wir doch noch in einem kleinen Kaufhaus um die Ecke in Banglamphu fanden, angereicherten Siebensachen, orderten ein Taxi und nahmen Abschied. Der neue Suvarnabhumi Airport entspricht von der Größe her den Dimensionen dieser Stadt. Als ich ein letztes Foto machen wollte, stiegen mir siedend heiß Schreck und Panik hoch: ich hatte meinen Fotoapparat auf dem Rücksitz des Taxis liegengelassen! Hunderte von Fotos auf der 2-GB-Karte waren verloren. Wut über meine zerstreute Nachlässigkeit und Verzweiflung wegen der Unwiderbringlichkeit und ein wenig Ärger wegen des materiellen Verlustes wechselten sich ab und ich war untröstlich und ich ließ die Tränen laufen. So standen wir noch eine Weile vor dem Eingang herum, bis unser Taxifahrer mit meinem Fotoapparat in der Hand uns strahlend entgegenkam. Die Chancen, dass er uns – nachdem er abgefahren war, nicht wenden konnte, um das ganze Flughafengelände herumfahren musste und ohne Kenntnis unserer Namen und Ziel unseres Fluges – in diesem riesenhaften Flughafenterminal finden würde, standen gleich Null. Aber er versuchte es trotzdem. Ich vergaß alle guten thailändischen Sitten und umarmte ihn fest. Gut, dass ich vor der Abfahrt zum Flughafen das Taxi fotografierte, weil es so total überladen ausschaute. Daher ist uns sein Autokennzeichen bekannt:
[Bild kommt später]
Wenn also einer der werten Leser einmal in Bangkok ist und sich zufällig in der Rambuttri Soi im Stadtteil Banglamphu aufhält – so möge er nach diesem Taxifahrer Ausschau halten und ihm von der großen Freude berichten, die er mir bereitet hat.
Ich bin geneigt zu sagen: So ist Thailand! Aber das ist nicht richtig. Es muss heißen:
So sind die Menschen in Thailand. Und zu ihnen zieht es mich jedes Jahr erneut.
Sawadi Kah!
-
yvonnek
Re: 5 Wochen in Thailand mit nur einem Paar Socken
Vielen Dank khun sabi.
Ein super Bericht, ich habe ihn regelrecht verschlunden und gut gelacht dabei.
Wünsche Euch gutes Eingewöhnen.
Ein super Bericht, ich habe ihn regelrecht verschlunden und gut gelacht dabei.
Wünsche Euch gutes Eingewöhnen.
- chris
- Inventar
- Beiträge: 2963
- Registriert: 11.11.2006, 18:57
- Wohnort: Nuremberg
Re: 5 Wochen in Thailand mit nur einem Paar Socken
Hallo khun sabi !
Danke für den schönen Einblick in euer Urlaubserlebniss . Muss auch ich einige Paralelen ziehen da ich mit Flip Flops nich laufen kann . Auch der Socken/Schuhkauf in Thailand is für meine Frau zumindest nicht leicht . Schön das Du auch die Kamara wiederbekommen hast , zeigt es doch das es positive Ausnahmen in der Taxiwelt gibt wenn ich die Berichte über Abzocke und sonstiges im Forum lese .
Danke für den schönen Einblick in euer Urlaubserlebniss . Muss auch ich einige Paralelen ziehen da ich mit Flip Flops nich laufen kann . Auch der Socken/Schuhkauf in Thailand is für meine Frau zumindest nicht leicht . Schön das Du auch die Kamara wiederbekommen hast , zeigt es doch das es positive Ausnahmen in der Taxiwelt gibt wenn ich die Berichte über Abzocke und sonstiges im Forum lese .
-
Susan
Re: 5 Wochen in Thailand mit nur einem Paar Socken
Hallo khun sabi,
ein sehr schöner Bericht -Danke dafür!!
Zeigst Du uns auch ein paar "wiedergefundene" Bildchen?
Wir waren dieses Jahr auch wieder auf Lanta und haben die gleiche Beobachtung bzgl. des Baubooms gemacht... in 10 Jahren sind dort kosamuische Verhältnisse. Übrigens hat mein 2-m-Mann auf dem Sonntagsmarkt von Ko Lanta mal Flip-Flops in Grösse 47 gefunden, der Verkäufer war selig, die Dinger endlich mal weiterzubringen;-).
Viele Grüsse
von
Susan
ein sehr schöner Bericht -Danke dafür!!
Zeigst Du uns auch ein paar "wiedergefundene" Bildchen?
Wir waren dieses Jahr auch wieder auf Lanta und haben die gleiche Beobachtung bzgl. des Baubooms gemacht... in 10 Jahren sind dort kosamuische Verhältnisse. Übrigens hat mein 2-m-Mann auf dem Sonntagsmarkt von Ko Lanta mal Flip-Flops in Grösse 47 gefunden, der Verkäufer war selig, die Dinger endlich mal weiterzubringen;-).
Viele Grüsse
von
Susan
-
shadu
Re: 5 Wochen in Thailand mit nur einem Paar Socken
witzig, im sea scene war ich auch schonmal, nette anlage und ruhiger strand.
die strasse nach haad rin finde ich nicht mehr so krass seit sie asphaltiert ist! vor 2 jahren noch wars uebel die sandpiste mit loechern!
war ein toller bericht!
die strasse nach haad rin finde ich nicht mehr so krass seit sie asphaltiert ist! vor 2 jahren noch wars uebel die sandpiste mit loechern!
war ein toller bericht!
-
Sandwurm
Re: 5 Wochen in Thailand mit nur einem Paar Socken
Hallo,
schöner und amüsanter Bericht. Ich hoffe, die Socken werden in Ehre gehalten
mfg Sandwurm
schöner und amüsanter Bericht. Ich hoffe, die Socken werden in Ehre gehalten
mfg Sandwurm
-
Yvonne
Re: 5 Wochen in Thailand mit nur einem Paar Socken
Hi,
hab den Bericht auch sehr genossen. Ich muß sagen ich schleppe immer jede Menge Socken mit und genauso unbenutzt auch wieder mit heim. Aber es gibt ja nun wirklich Dinge die viel mehr Platz weg nehmen und schwerer sind.
ciao, Yvonne
hab den Bericht auch sehr genossen. Ich muß sagen ich schleppe immer jede Menge Socken mit und genauso unbenutzt auch wieder mit heim. Aber es gibt ja nun wirklich Dinge die viel mehr Platz weg nehmen und schwerer sind.
ciao, Yvonne
-
perweisen
Re: 5 Wochen in Thailand mit nur einem Paar Socken
Sehr schön geschriebener Reisebericht, starte auch am Samstag für 11 Wochen.
Und das mit den Socken ist echt köstlich
Und das mit den Socken ist echt köstlich
-
khun sabi
Re: 5 Wochen in Thailand mit nur einem Paar Socken
vielen dank für eure lieben rückmeldungen.
der job hat mich wieder überrollt und mir fehlt die zeit zum bilder-einstellen.
aber ich hole es nach - versprochen!
11 wochen thailand!!!
boah!
vor lauter neid verblasse ich direkt...
aber viel spass wünscht
s.
der job hat mich wieder überrollt und mir fehlt die zeit zum bilder-einstellen.
aber ich hole es nach - versprochen!
11 wochen thailand!!!
boah!
vor lauter neid verblasse ich direkt...
aber viel spass wünscht
s.
