Wann bekamen Buddhastatuen ihr Gesicht?

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Santie

Wann bekamen Buddhastatuen ihr Gesicht?

Beitrag von Santie »

Hallo Tuk Tuk,

Als Asienreisender interessiere ich mich auch ein wenig für den Buddhismus.

Irgendwo habe ich mal gelesen, daß ursprüglich Buddhabildnisse kein Gesicht hatten, weil Buddha das auch nie wollte.

Tja, wenn man nun durch Thailand reist, dann sieht man, daß die Buddhastatuen meist alle ein Gesicht haben, was zum Teil sogar oft an das "Mona-Lisa-Lächeln" erinnert.

Weiß jemand wie es dazu in der geschichtlichen Entwicklung des Buddhismus kam, daß Buddha nun mit Gesicht dargestellt wird?


tschaang-frank

Re: Wann bekamen Buddhastatuen ihr Gesicht?

Beitrag von tschaang-frank »

Uiii,

gute Frage, naechste Bitte :? Die Sache mit ( ohne ) dem Gesicht habe ich noch nicht mitbekommen!?

Fakt ist das Buddha in seiner Zeit noch nicht kultisch verehrter Heilbringer sondern lediglich als Lehrer gesehen wurde, es gab noch keine Buddha-Statuen 600 Jahre lang wurde er nur als Symbol dargestellt z.B als Lichtkranz. Skulpturen wurden erst gut 600 Jahre spaeter in der hellenistischen Gandhara-Kunst geschaffen, zugleich mit Vergöttlichung Buddhas. Das ganze haben wir Alexander dem Grossen zu verdanken durch seine Asienfeldzuege.

Also deine Frage kann ich auch nicht konkret beantworten, vielleicht liegt die Antwort aber gar nicht im Buhhdismus sondern in der Gandhara Kunst - da kenn ich mich nicht aus - kannst ja in der Richtung mal suchen :|

Frank


Santie

Re: Wann bekamen Buddhastatuen ihr Gesicht?

Beitrag von Santie »

tschaang-frank am 31.08.2004, 21:01 hat geschrieben:Das ganze haben wir Alexander dem Grossen zu verdanken durch seine Asienfeldzuege.
Hi Frank,

Danke für die Antwort. Da in Richtung Alexanders des Großen zu gehen, darauf wäre ich ja nie gekommen. Liest sich aber interessant.

Habe ja auch keine richtige Ahnung. Ich weiß eben nur, daß zuerst Buddha nur durch Symbole, wie zum Beispiel einem Fußabdruck, dargestellt wurde. Glaube aber mal gelesen zu haben, daß es auch eine Phase gab, wo es schon figurliche Darstellungen gab, allerdings ohne konkrete Gesichtszüge bzw. gänzlich ohne Gesicht.
Aber wann das war und wo es wie dazu kam, daß die heutigen Buddhas mit recht prägnanten Gesichtszügen dargestellt werden, daß würde mich eben mal brennend interessieren.
Habe dazu bisher in diverser Literatur oder dem Internet auch nichts Konkretes gefunden.
:nixweiss


tschaang-frank

Re: Wann bekamen Buddhastatuen ihr Gesicht?

Beitrag von tschaang-frank »

Also, ich habe mal bei praktizierenden Buddhisten nachgefragt die wesentlich tiefer in der Materie stecken und bekm vollgende Antwort
Der Buddha wurde ja in die hinduistische Hochkultur Indiens hineingeboren, wo es bereits viele Götter und Abbildungen gab.

Abbildungen von Buddha Shakyamuni hatte es in den ersten Jahrhunderten nach seinem Ableben sehr wahrscheinlich nicht gegeben. Denn es ging seinen Schülern nicht so sehr um den Buddha als Person, sondern um das, was er lehrte und manifestierte. Da aber der voll erwachte Zustand eines Buddha weder mit Worten zu beschreiben noch mit Bildern darstellbar ist, aber auch weil die buddhistischen Praktizierenden nicht mit hinduistischer Götterverehrung in Verbindung gebracht werden wollten, verzichteten sie zunächst darauf den historischen Buddha zu malen oder plastisch darzustellen. Er wurde künstlerisch allenfalls in "unsichtbarer" Form, etwa mit Fußabdrücken, einem leeren Thron oder einem Stupa angedeutet.

Erst als mit Alexander d. Gr. viele Griechen nach Zentralasien kamen und sich alsbald für Buddhismus zu interessieren begannen (was m. E. angesichts der philosophischen Traditionen in ihrer Kultur recht naheliegend war) fing man ihn häufig zu modellieren: Die Griechen waren offensichtlich das bildliche Denken von ihrer Kultur so gewohnt, dass sie eine Gestalt brauchten, um sich den perfekten Geisteszustand (= Buddha) vorzustellen. Andererseits brachten sie ihr Schönheitsideal mit, die sie mit den Beschreibungen über Buddha Shakyamuni aus den historischen Texten kombinierten. So nahmen die Buddha-Statuen, die bald in der Gandhara-Kultur (Ausgangspunkt ungefähr im heutigen Pakistan / Afghanistan) ihren Niederschlag fanden, Züge des griechischen Licht- und Weisheitsgottes Apollo an. Der Nimbus (Strahlenkranz) soll aus Mesopotamien stammen (heutiges Irak - man denkt es kaum), aber viele Details sind eindeutig von der griechischen Stutuenkunst abgeleitet. Die entstandenen buddhistischen Statuen waren somit eine Frucht des frühen Kontaktes zwischen Ost und West.

Nicht zuletzt deswegen war ja auch die Zerstörung der Großen Statuen in Afghanistan Anfang 2001 durch Moslem-Extremisten ein so großer kulturhistorischer Verlust: Sie dokumentierten den Austausch westlicher und östlicher Werte vor dem gewaltsamen Eindringen der Araber in Vorder- / Zentralasien. Von einer blühenden buddhistischen Hochkultur, deren Einflüse möglicherweise bis ins antike Griechenland und Ägypten gereicht haben, sind nurmehr kaum noch Zeugnisse vorhanden.

Es gab vor einigen Monaten in Hamburg eine schöne Ausstellung zu just deinem Thema im Bucerius-Forum. Vielleicht lässt sich auf deren Websites noch einiges dazu finden?

Parallel dazu gibt aber noch eine andere These, die in Asien verbreitet ist. Demnach hat es schon kurz nach dem Tode des historischen Buddha eine einzige Statue in Bodh Gaya, dem Ort seiner Erleuchtung, gegeben. Die heutige goldene Statue im Haupttempel von Bodh Gaya soll praktisch eine genaue Kopie davon sein. Sie ist einer Kunsttradition zuzuordnen, die im Gupta-Reich - einem frühen buddhistischen Königreich in Indien - verbreitet war und die kaum Entsprechungen zu griechisch inspierierten Buddhastatuen aufweist.

Unabhängig davon, ob dem "Statuen-Boom" durch das Vordringen des Hellenismus in Zentralasien (und später in Indien) bereits vereinzelte Statuen in Indien existiert haben: Bildnisse des Buddha haben in den ersten Generationen nach Shakyamuni für die buddhistische Praxis in Indien praktisch keine Bedeutung gehabt.
Das Gesicht ist damit immernoch nicht erklaert - ich bohre weiter :wink:

Frank


Santie

Re: Wann bekamen Buddhastatuen ihr Gesicht?

Beitrag von Santie »

Hi Frank,

Wow, danke für die Mühe.

Vielleicht kommen wir ja doch noch konkret dahinter.
Ich such auch weiter...


hello_farang

Re: Wann bekamen Buddhastatuen ihr Gesicht?

Beitrag von hello_farang »

Hallo zusammen,
das Thema finde ich sehr interessant. Aus Thailand sind mir alte Darstellungen des Buddha ohne Gesicht bekannt, in Form von kleinen Amuletten. Hier wird auf die Haltung Arme/Haende sowie die Anzahl der 'Linien' Wert gelegt, auf denen der Buddha sitzt.

Des weiteren erinnert mich die Fragestellung an die Ruecken von 2 Freunden in Bangkok. Quer ueber die Schultern haben sie 29 Buddhas eintaetowiert.

Bild

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Es handelt sich um ein Schutztattoo, welches traditionell -also mit einem langen Eisenstab- von Moenchen in die Haut gebracht wurde. Diese 29 Buddhas sind ebenfalls nur stilisiert.

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Es kommt hierbei nicht auf eine genaue Darstellung an, sondern auf den Sinn und Zweck der buddhistischen Lehren an sich. "Wenn Du diese 29 Buddhas taetowiert bekommst, dann ist Buddhas Lehre fuer immer ein Teil von Dir", so wurde mir das erklaert. Das Tattoo ist aber eben nur quasi ein Katalysator, daher ist es irrelevant konkret auszuarbeiten.
Das Stechen dauert hoechstens 20 Minuten, aber die Initiation fast 2 Stunden.

Chock dii, hello_farang


Irmel

Re: Wann bekamen Buddhastatuen ihr Gesicht?

Beitrag von Irmel »

Der Nimbus (Strahlenkranz) soll aus Mesopotamien stammen (heutiges Irak - man denkt es kaum), aber viele Details sind eindeutig von der griechischen Stutuenkunst abgeleitet.

[/quote]


Sehr spannend, erinnert mich an den Mitraskult, der aus Persien (Irak/Iran;-) kommt und bei dem Mitras auch einen Strahlenkranz (in Verbindung mit einem Sonnenkult) hat. Hab aber noch nicht rauskriegen können, ob der Kult auch zur Zeit Alexander des Großen gegenwärtig war.

Grüsse, Irmel


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