Bangkok
Sawadeeee khaaaaaaaaaa
Ich bin wieder in Bangkok, meiner Lieblingsstadt. Ich fühl mich wohl – yes Sir !
Im Sleep Withinn sogleich meine grosse Reisetasche aus der Kammer holen und damit ist mein Zimmer erstmal komplett voll. Grosse Tasche, mittlere Tasche, Handgepäck, Bilderrolle, Handtasche, Fototasche.........hier sieht es aus wie auf einem Flohmarkt.
Aber es wird alles irgendwie verstaut, die Dreckwäsche in eine Tüte gestopft und zur Laundry, einer Wäscherei in einer Seitenstrasse gebracht, wo es so aussieht, als ob man seine eigenen Sachen nienie mehr zurückbekommt. Erstmal was gutes essen, leckeren Saft trinken...ahhhhh, tut das GUT !! Und dann – MASSAGE MADAM......... Hab ich jetzt supernötig. Die kundigen Hände im Pai Spa finden alle Verspannungen und ich lass mich völlig fallen in dieses Wohlbefinden.
Was ist das für eine Freude, ins Internet zu gehen un das funktioniert alles ruckizucki !!!
Mein Körper verlangt nach Pad Thai und Klebereis mit Mango – soll er auch bekommen. Ein kleiner Spaziergang durch das Viertel um die Rambuttri Road, eine Coconut zum trinken, frisches Obst......noch ein Buch im Laden gekauft und mit einem Bierchen aufs Zimmer. Muss mich erstmal so richtig ausschlafen.
Mann, das war eine wirklich erholsame Nacht. Frühstück im Tuptim Cafe. Am Nebentisch sitzt ein alter Mann, gross, kräftige Statur, mit einem weiss-gelben Bart. Nach ca 30 Sekunden fragt er mich, woher ich sei. Aus D-Land - und Sie ? Er sagt etwas und ich verstehe nur, ich komme aus....pumpum-land. Hmmm, der sieht aus wie der Almöhi, der kommt bestimmt aus einem Kanton in der Schweiz. Ich frag aber nochmal nach, woher ? Ich komme aus dem Holy Land...........ahhhhh, aus Israel. Jou, jetzt kann ich auch den Bart besser einordnen. Moses !!

Er ist 75 Jahre alt und erzählt mir bei Kaffee und Ei sein halbes Leben. Er war mit einer jemenitischen Beduinin verheiratet und hat auch mehrere Jahre bei den Beduinen gelebt, erzählt von deren sagenhaften Fähigkeiten im Spurenlesen. Sie können genau sagen, wer oder was dort langgelaufen ist, Geschlecht, alt oder jung, klein oder gross oder was auch immer. Sie gehen nicht zum Arzt, denn dieser ist ja auch nur ein Mensch und somit sterblich – was kann so einer ihnen schon helfen ???? Umwerfende Logik. Sie vertrauen auf Gott – oder wer auch immer für sie dort oben sitzt – und die Kräuter und Gräser die er ihnen gibt. Er hat sich dann später von seiner Frau scheiden lassen weil sie ein “ganz primitivisches Gedenk “ hatte. Er spricht so ein lustiges Jiddisch-Deutsch, hat in den sechzigern mal für zwei Jahre in Kassel gelebt und spricht diese Sprache immer noch fliessend. Respekt !
Ich bleib noch ein Weilchen bei meinem Kaffee sitzen und mach mir so Gedanken über die Menschen die ich sehe.
Da kommt die etwa fünfzigjährige sehr korpulente Frau mit Dauerwelle und verhärmten Gesicht, Französin, latscht wie eine Ente, gekleidet in ein absolut durchsichtiges Strandhemd, welches ihr gerade bis über den fetten Hintern reicht. Jedes Detail ist zu sehen, von der grossen Unterhose bis zur Bauchrolle. Ich schäme mich fremd und kann den Blick garnicht abwenden....wie kann man nur SO in Bangkok City rumlaufen ???
Dann sind da die Backpacker mit einem Schrankgrossen Rucksack auf dem Rücken, einen normalgrossen vor der Brust hängend. Sie laufen nach vorne gebeugt, damit ihr Schrankrucksack sie nicht nach hinten auf die Strasse knockoutet. Meistens tragen sie Schlabber-Pump-oder sonstige Windelhosen, Sportschuhe barfuss (das riecht gut, wenn man die abends auszieht...) und haben grösstenteils ungepflegte Haare. Es ist eine seltsame uniformiertheit, doch gerade das, was sie nicht sein möchten. Die Armen sehen oft irgendwie gehetzt aus. Ich frage mich – warum nehmen die keine Reisetasche mit Rollen, das ist so viel bequemer ,und so viel wie in einen Schranksack geht da auch rein. Schliesslich habe ich so eine ! Aber vielleicht ist eine Reisetasche ein zu grosses Zugeständniss ans Establishment und man macht das erst so ab fünfunddreissig. Wie auch immer, ich könnte so nicht reisen, aber ich gehöre auch schon zu einer Generation, die ihren Rücken kaputt hat, wogegen diese gerade dabei ist, sich den ihren kaputt zu machen.
Familien mit kleinen Kindern sehe ich viele, junge Eltern mit zwei bis drei Kindern, oft nur im Babyalter oder zwei bis drei Jahre alt. Sie sind die Ruhe in Person und wahrscheinlich muss man dafür ein bestimmter Typ Eltern sein um keine Bange zu haben , unterwegs so fern der Heimat mit den Kleinen.
Der Typ älterer Reisender – und ich meine alt - die sehr leger gekleidet sind, alles sehr locker nehmen. Man sieht ihnen an, dass sie schon viel von der Welt gesehen haben und kaum etwas kann sie aus der Ruhe bringen. Dieser Eindruck bestätigt sich immer wieder im Gespräch. Durchweg angenehme Zeitgenossen, interessant, haben viel erlebt und eine gesunde Einstellung zur Welt und dem Zirkus darauf.
Jetzt muss ich mich aber auf den Weg machen, ich will noch schnell eine Radtour bei Spiceroads reservieren. Es wird die Tour Bangkok Jungle, da freu ich mich drauf.
Mit der Ferry geht es zum Pier bei Chinatown. Dort wird ausgiebig gebummelt und noch eine Armbanduhr für meine Tochter gekauft.
Auf dem Rückweg schau ich mal bei Beautiful Optical rein, denn ich brauche eine neue Lesebrille. Eine schicke mit rotem Gestell ist auch schnell gefunden und eine neue Sonnenbrille auch. Über den Preis kann ich nicht klagen. Morgen kann ich beide abholen.
Meine Wäsche ist auch fertig. Ich steh in der zur Strasse offenen Wäscherei und warte auf die Klamotten. Die Frau holt sie, legt sie auf den Boden und ich glaub, ich seh nicht richtig......da laufen fünf oder sechs richtig grosse Cucarachas aus den Shirts und Hosen...uuuaaaaaaaahhhhh

....... ich hab Angst vor denen !!!!!!!!! Die Unterwäsche steckt schon in einer Plastiktüte und ich laufe mit ausgestreckten Armen, die Tüten an den Händen, zurück zum Hotel. Vielleicht krabbelt ja noch so ein Monster aus den Unterhosen und dann auf meine Hand....??????? Im Hotel direkt zum Pool auf dem Dach, alle Tüten auf die Sonnenliege ausschütten. Wär da noch was drin gewesen.....wäre wohl alles in den Pool geflogen. Aber meine Wäsche ist nun Schabenfrei. Jetzt muss ich nur noch die Bilder aus dem Kopf bekommen, wie die es sich vorher auf den Klamotten haben gutgehen lassen und in der Unterwäsche gekuschelt haben. Die legen doch wohl keine Eier in frisch gewaschene Wäsche......o d e r ?????

Ich habe schon viele unangenehme Erfahrungen mit den Viechern.
Ich brauch nun dringendst ein kühles Bierchen und der Abend wird wieder gemütlich.
Am nächsten Morgen mach ich mich gleich auf den Weg in die Sukhumvit, will da ein wenig rumbummeln. Soviel habe ich im Forum darüber gelesen....aber ich finde, so anders als die Silom ist die nun auch nicht, nur länger. Wie es dort nachts aussieht, habe ich nicht ausprobiert, aber ich glaube, für mich wäre das dann auch nicht das richtige Pflaster. Ist dann wohl eher ne Männergegend.
Also ich laufe über 2 Stunden rauf und runter, in Sois rein und raus. Mein Eindruck ist – nicht mein Ding, ich wohne doch lieber nah am Fluss.
Um 13.00 Uhr ist der Treffpunkt für die Radtour am Face Restuarant. Ich bin viel zu früh dort und treffe auf den Manager. Ich habe Glück, er führt mich überall herum und wir unterhalten uns. Dies ist ein zauberhafter Komplex aus Spa , Bar und drei verschiedenen Restis. Er ist Kanadier und mit einer Indonesierin verheiratet, sie haben zwei Kinder. Lebt seit zwanzig Jahren in Indonesien und Thailand und spricht auch beide Sprachen. Also, ich glaube, der hatte grosse Langeweile, dass er mir alles zeigte und erzählte. Ich fand´s schön. Man plant, etwas ähnliches wie das FACE in Spanien zu eröffen. Leider in Madrid oder Barcelona, das ist dann zu weit weg für mich.
Um Punkt eins holt mich dasAuto ab. Wir sind nur vier und der Guide Num.
Der Rest der Grppe besteht aus einer autralischen Familie, Oma, Tochter und Enkelsohn. Ich hatte ja schon Autralier kennengelernt, die sind sehr lustig, ein wenig derb und haben bestimmt nicht die Bescheidenheit und Zurückhaltung erfunden. Ich hatte viel Spass mit ihnen.
Es geht zu einem Frachthafen am Stadtrand von Bangkok, riesige Containerschiffe werden hier von Monsterkränen beladen. Auf der anderen Flusseite das Kontrastprogramm, dichtes dunkles Grün , geheimnissvoll. Dieser Bereich heisst Bang Kra Jao und man erreicht ihn nur per Boot, eine Brücke gibt es nicht. Wir werden mit passenden bikes und Helmen ausgestattet. Ich setze meinen natürlich verkehrtherum auf, aber das fällt mir erst am Ende der Tour auf. Die Räder werden auf ein schmales Boot verladen und ab geht’s. Es ist erstaunlich, dass diese Gegend noch nicht touristisch geplündert wurde, ich stehe am anderen Ufer, sehe zwar die grosse Stadt in garnicht so weiter Entfernung – aber irgendwie ist sie doch ganz weit weg. Und als wir uns erst auf den Weg machen und um zwei Ecken biegen, ist sie vollends verschwunden und wir radeln vergnügt auf einem anderen Planeten. Es gibt kleine Gemeinden, einzelne Tempel, einen Markt der nur am Wochenende auf hat und so gut wie keinen Verkehr !! Nach einigen Minuten tauchen wir ein in einen tropischen Wald, fahren auf schmalen Betonpfaden übers Wasser und die Blätter der Bäume und grossen Stauden berühren fast unsere Köpfe. Ich bin total begeistert, denn ich bin in einem anderen Universum gelandet. DAS hatte ich nicht erwartet.
Num ist sehr lieb und besorgt uns an den Ständen am Strassenrand ständig was zu essen und zu trinken , wie zum Beispiel in Bananenblättern eingepackter Kokospudding oder Klebereis mit Banane und süssen schwarzen Bohnen ebenfalls in Bananenblättern, auch Kekse und Gebäck. Die Aussis sind gut drauf, vor allem die Oma. Sie trägt ganz kurze Shorts und ein grünes Shirt mit Puffärmelchen. Die Haut an den Armen ist schon so faltig, dass sie sich in quadratische Falten gelegt hat, die Haare rot gefärbt. Zum Glück ist sie genauso unfit auf dem Rad wie ich, so brauche ich keinen Komplex zu entwickeln.
Unterwegs treffen wir auf eine Gruppe Pfadfinderjungs- und Mädchen. Oma will ein Foto mit ihnen, setzt sich zwischen sie und umarmt die Kinder.........Man sieht auf meinem Foto ( gemein....

) genau, wie sich die armen Mädchen abwenden und ihre Hand wegschieben. Die im Hintergrund lachen schallend. Ich glaube, ein wenig mehr Feingefühl wäre angebracht. Dabei meint sie es absolut nicht böse.
Bei einer Familie die Tigerbalm und andere gesunde Sachen herstellt, kehren wir ein. Sie sind sehr nett und machen uns eine kleine Nackenmassage. Zum Dank wird auch eingekauft, claro !
Auf einem Platz wird Petanca gespielt – hier heisst es Peteng - und Num erzählt, dass vor kurzem die Weltmeisterschaft ausgetragen wurde und dass Thailand Frankreich besiegt hat . Ich stell mir die langen Gesichter der Franzosen vor, als sie von Asiaten in ihrem „Nationalspass“ besiegt wurden, und lache laut. Herrlich........
Es geht weiter zu einem alten Tempel und Num hat auch hier viel Interessantes zu erzählen. Die Fahrt durch die üppige Vegetation und die Stille, die eigentlich nur von unserem Lachen und dem Vogelgezwitscher unterbrochen wird, geht viel zu schnell vorbei. Nach etwas mehr als drei Stunden Fahrt und 25 Km sind wir wieder am Fluss und schauen auf den grossen Hafen. Auf der anderen Seite sehe ich ein riesiges Bild vom König an einem Hochhaus, es ist an die 15 Etagen hoch. Noch lächelt er auf seine Stadt herab.........
Num lässt mich am Fluss bei Taxin austeigen und ich nehm die Fähre. Die Sonne geht fast unter und ich schiesse einige stimmungsvolle Bilder von Spiegelungen in verglasten Hochhäusern und der untergehnden Sonne hinter dem Wat Arun.
Ein leckeres Red Curry und ein kühles Singha Bier auf der Terasse des Navalai wo die hübsch beleuchteten Boote wieder vor meinen Augen vorbeiziehen , danach einen Banana Pancake und eine frischen Saft um alles abzurunden – dann bin ich müde.
Nachdem ich ausgeschlafen habe....achhhh tut das sooo gut , lecker frühstücken und meine Brillen abholen. Die Lesebrille ist super geworden, jetzt kann ich endlich wieder entspannt lesen denn meine Augen hatten sich schon verschlechtert.
Mit dem Boot den Fluss runter und ein bissel in der Silom bummeln. Im Triple Two bestelle ich mir ein Club Sandwich, weil es hier das beste gibt mit leckeren Pommes Frittes. Muss ja auch mal sein. Schon gleich mit der ersten Kartoffel landet das Ketchup auf dem blütenweissen Bermudas. Super, Romy ! Wie gut, dass ich immer Feuchttücher dabei habe, so sieht es nicht aus als würde ich gerade menstruieren.......
Um 14.00 treffe ich mich mit Anna ( so nenne ich sie mal ), einer Schweizerin die über ihre Website gesunde Pflanzenkapseln verkauft. Die soll ich jemandem mitbringen. Anna und ich kommen ins Gespräch , da ist gleich eine Sympathie vorhanden. Sie ist 69 Jahre alt und wohnt seit 50 Jahren in Bangkok !!!!
Der Nachmittag vergeht in süssem Nichtstun , denn ich besuche zum allerersten Mal den Lumpini Park, kaum zu glauben ! Es ist so friedlich hier und zugleich kurios, denn der Park ist sozusagen eingerahmt von originellen Hochhäusern, da kommt man sich fast vor wie in einer Schneekugel drin. Und ich habe elf Warane gesehen, der grösste davon war ca 160/170 cm lang , sehr beeindruckend. Sie liegen dort einfach so auf dem Rasen herum oder schwimmen eine Runde, unglaublich, denn nicht weit davon sonnen sich die gestressten Bangkoker auch auf dem Rasen.
Der Park hat mir sehr gut gefallen und ich bin sicherlich nicht zum letzten Mal hier.
Für den folgenden Tag hab ich volles Programm : CHATUCHAK !!!!!! Mädels, ihr wisst, was ich meine !!!! Aber ich habe mir vorgenommen, einmal im Narai Hotel zufrühstücken, denn dort gibt es das beste Tagesanfangsessen. Also mit Boot, Skytrain und zu Fuss eine Stunde lang zum Narai (ich weiss, total plemplem, aber was will man machen?) ,und Frühstückscoupon kaufen,kostet 250 THB. Ich staune, denn die gesamte Frühstücksetage ist komplett renoviert in schwarz, silber und viel Glas...wouwww, sehr edel. Ich freu mich schon wie Bolle auf den leckern Blümchenkaffe, den es hier immer gab. Ich liebe Blümchenkaffe. Da haben die doch tatsächlich eine teure italienische Esspressomaschine mit allem Pipapo angeschafft und aus den Düsen kommt nun ein für mich tötlicher schwarzer Kaffee.....da muss ich ran an den Milchaufschäumer und die Brühe strecken. Hier gibt es thai, chinesisches, japanischen und europäisches Frühstück mit allem drum und dran. Ich fresse mich durch so viel ich kann, 40 Minuten lang !! Später werd ich´s noch bereuen.
Mit der Kühlschrankbahn zum Markt, wo man beim Aussteigen gleich wieder einen Hitzschlag bekommt und rein ins Gewühl. Ich hatte eine Einkaufsliste dabei, denn sonst hab ich wieder die Taschen voll und für niemanden das richtige Mitbringsel. Also die Liste abarbeiten, laufen laufen laufen,

finde auch die kleinen getrockneten Gambas und nehm gleich zwei Kilo !
Nach vier Stunden hab ich das Gefühl, gleich in Achselschweiss, Fussschweiss, Muskelschmerzen, Erschöpfung und Selbstmitleid zu zerfliessen. Dann erreiche ich den Fressbereich – und nun tut es mir leid, so sehr im Narai zugeschlagen zu haben. Es gibt die allerleckersten Sachen – aber ich kann einfach nichts essen....SO EIN MIST, MENSCH !!!
Es ist schon Nachmittag und ich nehme mit meinen vollen Taschen ein Taxi zum Hotel. Erst abends kann ich wieder einen Reis in der Rambuttri in mich reinbekommen.
Meine Zeit neigt sich dem Ende zu und nie verlasse ich diese Stadt, ohne einen Coctail im Vertigo im Babyan Tree Hotel zu trinken. Da es aber alleine ziemlich öde ist, rufe ich Anna an und frage, ob sie mich begleitet. Tut sie. Wir treffen uns in der Lobby und fahren nach oben in die 64 Etage, wo der Ausblick wie immer atemberaubend ist.
Beim Drink kann ich nicht mehr an mich halten, denn ich bin natürlich wahnsinnig neugierig, mehr über Annas Leben zu erfahren, und sie erzählt auch bereitwillig . Vor 50 Jahren, mit 19 hat sie ihren Bachelor in London gemacht und lernte dort ihren Mann, einen Thai kennen. Sie haben geheiratet und sie beschloss, mit ihm nach Siam zu gehen, denn so hiess das Land damals noch. Ihre Mutter in der Schweiz bekam fast einen Herzinfarkt, denn sie wusste noch nichteinmal, wo dieses Siam denn lag. Natürlich habe ich gefragt, wie den Bangkok damals ausgesehn hat. Kein Hochhaus, nur Teakholzhäuser durch die der Wind streifen konnte, gaaaanz viele Kanäle auf welchen sich das gesamte Leben abspielte, ein paar schöne Kolonialbauten, einige wenige Autos und Pferdekutschen und ganz viele Rickschahs. Die Frauen trugen alle Longyis ( oder wie nannte man die damals in Thailand?) und lange Haare. Die Paläste und Wats stachen noch aus der Stadt hervor, man musste sie nicht suchen wie Heute. In diesem Königreich Siam war die Königin Sirikit noch eine junge strahlende Schönheit und auch der König war noch jung und frisch. Hört sich an wie ein Märchen, gell ?? Anna hatte ein Talent für die Sprache und hat innerhalb von nur zwei Jahren fliessend und mit allen Tonhöhen sprechen , lesen und schreiben gelernt. Für eine junge Frau aus der behüteten Schweiz war das wohl anfangs ein fremder Planet.
Dann hat eine grosse – deutsche? - Stromgesellschaft die ersten Stromkabel in Thailand verlegt und weite Teile des Landes mit Strom versorgt, und sie bekam den Job der Chefsekretärin, der Sprache wegen. Acht Jahre war das ihre Arbeit, dann brauchte man sie nicht mehr. Anna dachte so bei sich....hier gibt es kein gutes Brot, ich back mal selber welches und sie eröffnete eine eigene Bäckerei. Zu Anfang buck sie noch selber, aber dann lief es so gut dass sie 34 Angestellte hatte und am Tag 1.000 Kilo Mehl verbrauchte. Allerdings wurde sie oft betrogen und ihr Tag hatte öfter als ihr lieb war 20 Stunden. Kurz vor einem kompletten Burnout , nach 12 Jahren, hat sie den Betrieb aufgegeben. Später hat sie 15 Jahre lang in einer gehobenen Hotelkette einen guten Job gehabt. Zwischendurch bekam sie noch zwei Töchter und ist mittlerweile seit drei Jahren geschieden, was, wie sie sagt sehr schwierig und schmerzhaft war. Nun hat sie sogar einen thailändischen Pass.
Unglaublich, wieviel man in so kurzer Zeit über ein Menschenleben erfahren kann.
Dann war ich sehr erstaunt. Ich fragte nach dem Befinden des Königs, der ja nun schon seit über einem Jahr im Krankenhaus ist. Anna erzählte mir Dinge über die Königsfamilie und die politische Situation, die mir einen Schauer über den Rücken jagten, und zwar ins Ohr, obwohl wir bei Musik auf einer Dachterasse sassen und sich niemand um uns scherte. Aber sie meinte, man weiss nie, wo es Ohren gibt die hören und über bestimmte Dinge redet man einfach nicht und schon garnicht zu einem Farang. Ich werde das auch nicht hier im Forum bereden. Aber es gab mir verdammt viel zu denken.
Mein letzter Tag in LOS ist angebrochen und ich werd schon wieder wehmütig......wie immer.
Nachdem meinem Schwiegersohn in Spe gerade erst eingefallen ist, was ich ihm schönes mitbringen kann, muss ich mich nochmal auf den Weg zum MBK machen. Dort gibt es einen japanischen Nudelsuppenladen und da muss ich unbedingt rein. Also Ramen mit Currysuppe bestellen. Was wohl Ramen sind...???? Jou, das sind leckere Nudeln ! Schmeckt alles super , auch der Nachtisch der aussieht wie ein kleiner grüner Gummiball – ist wohl Bohnenpastengelee...oder so. Auf dem Weg zum Train seh ich, das Bangkok Cultural Center ist geöffnet, letztens hatte ich Pech und es war zu. Also nix wie rein. Tja......das war mal wieder ein Glücksfall. Hier gibt es einen Shop, da verarbeitet eine junge Frau Reissäcke zu Taschen in allen Grössen, Formen und Farben....soooooooooooooooooooooo schön.Eine grosse Tasche aus pinkem Reissack mit nem grossen Buddha auf ner Lotusblume, eine kleinere blaue auch mit Blumen, und anders unbedingt benötigte Reissackgedöne verbringt nun seinen Lebensabend in meiner Familie. Und auch noch sooo preiswert !! Sowas hatte ich zuletzt in Siam Reap gesehen und natürlich gekauft und immer wieder gesucht.
Eine letzte Fahrt mit dem Boot den Fluss entlang, ein letzter Sonnenuntergang, ein letztes leckeres Essen, ein letzter Bummel durch die Rambuttri, eine letzte Massage.....LETZTER........Scheisswort.
Ja, es ist wieder vorbei und ich muss sehen, wie ich diesen Gemischtwarenladen in meine Reisetasche bekomme ohne die zulässigen 30 Kilo zu überschreiten. Meine Handtasche wandert in die Reistasche, diese in die grosse Reistasche, darin wird alles verstaut, was schwer ist, die schwere Bilderrolle hängt neben der „Handtasche“ und der Fototasche an meiner Schulter....autsch !!
Aber das muss morgen irgendwie gehen.
Ein Minibus, der völlig mit Reisenden UND dem Gepäck im Innenraum überladen ist, bringt mich zum Flughafen.
Die Zeit ist knapp und ich kann mir nochnicht mal einen letzten Klebereis mit Mango kaufen....
Der Flug ist lang und mein Gesicht auch.
Jetzt bin ich wieder hier und schon seit fast zwei Monaten......aber wenn ich könnte, würde ich gleich wieder nach Bangkok fliegen.
Aber, nicht verzagen, denn …..nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub ! Auch wenn die Zeit immer sehr lang scheint und der Blues mich immer mal wieder überfällt.....Ich studiere schon mal die Flugpreise.
Tschüss bis zum nächsten Mal

Thaifood is like haveing a Party in my mouth.